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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 549

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 549)
Language
German
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431 Sombart meint einmal, es habe den Anschein, als liesse das Vorwiegen jüdischen Einflusses auf das Wirtschaftsleben nach, und fragt sich, ob das nicht mit dem Nachlassen der Religiosität zusammenhänge. Das mag in eingeschränktem Sinne wahr sein; Vorzüge jedoch, die viele Generationen hindurch ein Volk gestählt und gekräftigt haben, gehen in ihren Wirkungen selbst denen nicht so bald verloren, die sich von der Lebensweise der Väter entfernt haben. Wie es in Zukunft sein wird, darum wollen wir uns heute, wo es schon genug des Beklagenswerten gibt, nicht sorgen. Wenn es richtig sein sollte, dass ein Rückgang der wirtschaftlichen Bedeutung der Juden wahrzunehmen wäre, so würde ich darin eine Consequenz der Bemühungen um allgemeine Volksbildung und Volksgesundung sehen. Aus den tieferen Volksschichten, denen immer mehr der Sinn für geistige Bestrebungen und für vernunftgemässe Lebensweise eingepflanzt wird, steigen frische Kräfte und Talente in die Höhe, welche die Schaar der geistigen Arbeiter vermehren. Der Kapitalismus unserer Tage, welchem die grosse Aufgabe zugefallen ist, allen Volkskreisen das zugänglich zu machen, was die wissenschaftliche Forschung für die angehmere Gestaltung der Lebensführung immer wieder neu findet, kann kaum die Zahl leistungsfähiger Hilfskräfte finden, deren er benötigt. Die Menge führender Geister, die wir Juden in den Dienst des Erwerbslebens stellen, wird kaum überboten werden können; bei der steigenden und auf immer breiterer Basis sich erhebenden Volksbildung jedoch werden sich die nötigen geistigen Arbeiter aus allen Volksschichten rekrutieren können, um in gemeinsamer friedlicher und harmonischer Arbeit mit den Juden für das Wohl der Gesamtheit zu sorgen. Nach wie vor werden die Juden sich um die Hebung des Erwerbslebens verdient machen, ihre Bedeutung wird dessenungeachtet nicht so sehr wie in früheren Tagen ins Auge fallen, weil bei steigender Volksbildung sich immer mehr Befähigte aus allen Volkskreisen zusammenfinden, um sich dem Handelsberufe zu widmen, der Wohlfahrt bringt und Segen stiftet.

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