Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 548)
- Language
- German
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430 an die Arbeit der Woche heran. Die Ausübung der Religions- Vorschriften, wie Ehegesetze, Speisegesetze und vieles andere, trug ebenfalls zur Volksgesundheit bei. Gar manches, was die öffentliche Hygiene heute anstrebt oder eingerichtet hat, besassen die Juden längst und blieben so trotz der Einpferchung in dumpfe, finstere Ghettis gesund an Geist und Körper. ״Mens sana in corpore sano“ war so dem Juden gesichert. Ist es erstaunlich, wenn er mit seinem gesunden Geiste trotz Ungunst der Verhältnisse in seinem Berufe es zu etwas brachte? Thorastudium, Religionsgesetz und Sabbath bewahrten den frommen Juden vor Aus- Schweifungen, Trunksucht und Spiel. Trotz der drückenden zahllosen Steuern gelang es ihm daher vielfach, Ersparnisse zu machen, und diese Ersparnisse wieder bildeten die Staffel zur Vergrösserung des Geschäfts. Die Juden sammelten nicht deshalb Vermögen, wie Sombart meint, weil sie keine gesellschaftliehen Verpflichtungen hatten, deren gab es im Ghetto genug; auch würden solche Ersparnisse reichlich durch die Bedrückungen der mittelalterlichen Regierungen aufgewogen worden sein. Zu den Gründen für das wirtschaftliche and sonstige Emporkommen der Juden rechne ich auch die unvergleichliche jüdische Wohltätigkeit, für die Sombart kaum ein Wort übrig hat. Bei den Juden gingen Talente selten verloren. Begabter Kinder der Armen nimmt sich der milde Sinn und das Mitgefühl der Glaubensgenossen besonders gern an, um ihnen die Möglichkeit zur Entfaltung ihrer Gaben zu verschaffen. Die Mildtätigkeit wieder war es, die den Sinkenden nicht fallen liess, und gar mancher, der wirtschaftlich verloren gewesen wäre, wurde aufrecht gehalten, um dann hoch zu steigen. Wäre einem solchen im kritischen Augenblick nicht eine helfende Hand entgegengestreckt worden, ein Name weniger wäre zu nennen gewesen, wenn von wirtschaftlichen Erfolgen die Rede war. Noch vieles aus dem Tugendschatz des Judentums Hesse sich zur Erklärung seiner Erfolge herbeibringen. Es ist nicht nötig, mit der Laterne nach Fehlern zu suchen, um die Stellung der Juden im Wirtschaftsleben verständlich zu machen. Bei Nacht zündet man Laternen an; die Gründe für die jüdischen Erfolge liegen offen da, vergoldet vom hellen Sonnenücht.