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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 546

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 546)
Language
German
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428 tion haben sich anf den meisten Gebieten des Geisteslebens Juden in hervorragender Weise betätigt, in weit grösserer Zahl, als man nach ihrem Verhältnis zur Bevölkerung der einzelnen Länder zu erwarten hatte. Wir kennen nicht nur Grosskaufleute, Bankleiter und Industrielle von emmin enter Bedeutung; Gelehrte von Weltruf, berühmte Staatsmänner und Parlamentarier, bedeutende Schriftsteller, Dichter, Musiker und Maler, erstklassige Schau- Spieler reihen sich ihnen zahlreich an. Es kann keine Frage sein, dass das Studium des Religionsgesetzes, dem von jeher alle Bevölkerungsklassen obgelegen haben, geistige Kraft der ganzen jüdischen Gemeinschaft mitteilte. So unvergleichlich bedeutsam nun auch die Ausbildung des Geistes durch das Talmudstudium ist, und wie dieses notwendig hervorragende Denker grosszieht, so sehe ich die Ursache für die zahlreiche und erfolggekrönte Beteiligung der Juden an allen Geist und Bildung heischenden Berufen weniger in der Stärke ihrer geistigen Ausbildung, als in deren Verbreitung. Die Juden sind ein Volk, das einen übergrossen Prozentsatz von an geistige Beschäftigung Gewöhnten, sagen wir Gebildeten, zu den Seinen zählte und zählt. Wenn wir ermessen wollen, ob die Juden von Haus aus intelligenter sind als die andere Bevölkerung, so dürfen wir nicht untersuchen, wie sich ihre Seelenzahl zur Seelenzahl der Gesamtbevöikerung verhält; wir müssen fragen: welche Beziehungen zeigen sich zwischen der Gesamtzahl der Juden und der Seelenzahl der gebildeten Klassen? Die grosse Mehrzahl der Juden hat geistige Interessen, ist deshalb als zu den gebildeten Ständen gehörig zu betrachten. Wenn man z, B. erstaunt ist wegen der im Verhältnis zur jüdischen Bevölkerungsziffer übergrossen Zahl jüdischer Bankdirektoren, so wird man weniger verwundert sein, wenn man das Verhältnis der Juden zur Zahl der Gebildeten in Rechnung zieht. Bei den Juden ist geistige Betätigung auf breitester Grundlage vorhanden, das ist der Schlüssel zum Rätsel ihrer Erfolge. Bei den Juden ist durch das Talmudstudium das Ferment des Bildungstriebs in das ganze Volk hineingetragen worden und dieser Bildungstrieb hat sich in der Gegenwart selbst in solchen jüdischen Kreisen erhalten, die dem Talmud den Rücken kehrten. Heute bemüht sich der Staat, durch treffliche Volksschulen Verständnis für den Wert der Bildung in die grossen Massen zu tragen,

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