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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 545

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 545)
Language
German
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427 Wenn Sombart sein Buch ungeschrieben gelassen hätte, so wäre das der Welt und auch den Juden kein Verlust gewesen. Die Wissenschaft zieht keinen Gewinn aus der Seite des Werkes, die hier einer Kritik unterzogen wurde, und damit ist gesagt, dass sein sonstiger Inhalt, soweit er sich auf der versuchten Ermittelung jüdischen Wesens aufbaut, von keiner Bedeutung ist. Das mancherlei Erfreuliche, das bezüglich der guten Beeinflussung des Wirtschaftslebens durch die Juden gesagt wird, kann nicht aussöhnen mit dem Feindseligen und tief Verletzenden, das in diesem Werke überreich dargeboten wird. Es gibt ein bekanntes altes jüdisches Gleichnis: Man sagt zur Wespe: nichts von deinem Honig und nichts von deinem Stachel.!1־ * * Unsere Aufgabe ist es nun, die beiden Probleme zu lösen, die sich das besprochene Werk ״Die Juden und das Wirtschaftsleben“ stellt. Was führte die Juden zum Handel? Worin liegt ihre Eignung zu demselben? Sombart beantwortet eine Frage mit der anderen. Als er sich eine kaufmännische oder kapitalistische jüdische Eigenart construiert hatte, meinte er auch dargetan zu haben, was zum Handel geleitet habe. Was führte denn die Juden zum Handel? Für dieses Problem existiert für mich nur die Beantwortung aus der Geschichte. Von .Haus aus sind die Juden kein Handelsvolk. In Palästina trieben sie viele Jahrhunderte hindurch Ackerbau und Viehzucht, in Babylonien ebenfalls eine lange Zeit Ackerbau. Erst die Zerstreuung in Länder, deren Grundbesitz, als sie fremd hinkamen, längst in festen Händen war, machte viele von ihnen zu Kaufleuten. Die staatliche und kirchliche Gesetzgebung des Mittelalters, die ihnen beinahe alle sonstigen Berufe verschloss und für sie allein Handel und Leihgeschäft offen liess, zwang sie, sich zur Erhaltung des Lebens diese Berufe zu erwählen. — Vielhundertjährige Gewohnheit und die Erfahrung des Erfolgs auf kaufmännischem Gebiete liessen sie dann in einer freieren Zeit, — die ihnen immer noch Erwerbsmöglichkeiten genug versagte, — beim alten Berufe bleiben. Damit löst sich restlos das erste Problem. Und ihre Eignung zum Handel? Ich möchte behaupten, dass die Juden für jeden Beruf, der Anforderung an geistige Ausbildung und Begabung stellt, geeignet sind. Seit der Eininzipa-

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