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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 544

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 544)
Language
German
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426 Zurückbleiben des geringen Volkes geschlossen wird, ״dass zur Zeit des Exils die Israeliten noch vorwiegend Viehzucht trieben“, (S. 410), diesen Unsinn wiederzugeben erspare ich mir. Kann man es ja nachlesen, um sofort zu erkennen, dass die als Belege zitierten Bibelverse absolut nichts für die zu beweisende These sagen. Falsch ist die Darstellung, welche von den Ackerbau treibenden Juden Babyloniens gegeben wird : ״aber hier wiederholen sich die Zustände, die wir in Palästina anzutreffen geglaubt haben: ״städtische Herren, die zugleich Geldverleiher sind, lassen ihr Land durch [nichtjüdische?] Teilbauern bebauen : das wenigstens ist das typische Bild, das wir aus dem babylonischen Talmud empfangen, von dem selbstverständlich Ausnahmen Vorkommen; wir begegnen selbst Rabbanen, die hinter dem Pfluge hergehen“. Jeder, der nur einigermassen im Talmud bewandert ist, kann zahllose Beispiele dafür bringen, dass die Juden Babyloniens in der Hauptsache von Ackerbau lebten und selbst fleissig ihre Felder bestellten, auch aus Mischna und Jeruschalmi ergibt sich dasselbe für die Bewohner Palästinas. Ich begnüge mich damit, die Bitte Rabas an die Rabbanen nach Berachoth 25 b zu erwähnen, die allein schon die gänzliche Haltlosigkeit dessen zeigt, wa,s Sombart über das Erwerbsleben des jüdischen Babyloniens und seiner Gelehrten phantasiert. ״Raba sagte zu den Rabbanen: ich bitte Euch, erscheinet nicht vor mir in den Monaten Nissan und Tischri, damit ihr nicht das ganze Jahr bezüglich Eurer Ernährung beunruhigt seid“. (Nissan und Tischri sind in Babylonien die Monate der Ernte und Weinlese). Wer sich amüsieren will, der lese, was in diesem Schlusskapitel von Nomadismus und Saharismus, vom Gegensatz zwischen Wald und Wüste, von nordischen und südlichen Wäldern zusammengefabelt wird, und wie aus der Verbindung heisser mit nasskalten Völkern der Kapitalismus entstand. ״Religion und Inzucht waren die beiden eisernen Reifen, die das jüdische Volk festumschlossen und als eine einzige feste Masse durch die Jahrtausende erhalten haben. Und wenn sie sich lockern? Was wird dann die Wirkung sein?“ Mit diesen beiden Fragen und einer knappen Ablehnung ihrer Besprechung schüesst das Buch.

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