Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 542)
- Language
- German
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424 wirken lassen, der noch dazu im ersten Teile seines Buches durch die überschwängliche Schilderung des jüdischen Einflusses auf das moderne Wirtschaftsleben eine captatio benevolentiae sondergleichen gefunden hat, liegt da die Befürchtung nicht allzunahe, dass sie seinen ungeheuerlichsten und verletzendsten Ansichten mehr oder weniger Glauben schenken könnten? Wenn sie ihm bis zu Ende znbören, müssen sie stutzig werden. Iin Schlusskapitel nämlich wird versucht, die Juden als ewige Nomaden hinzustellen, die niemals richtig gearbeitet haben. Jetzt ist der Verfasser so weit gekommen, dass er aus der Arbeitsscheu die ״überragende Geistigkeit dieses Volkes“ herleitet. ״Diese aber werden wir wohl ohne jedes Bedenken erklären dürfen aus der Tatsache, dass die Juden von der Urzeit des Hirtendaseins an niemals körperlich schwere oder auch nur vorwiegend körperliche Arbeit zu verrichten gehabt haben“. Die ältesten Kulturländer der Menschheit, Mesopotamien, Aegypten, Palästina, nennt Sombart Oasen, was dann verwertet wird, um die Juden ein Oasenvolk zu nennen und daraus wieder die Bezeichnung ״Wüstenvolk“ zu gewinnen. Aehnlich nennt er sie ״Nomaden“, und als wollte er denen recht geben, die Nomadenvolk als Schimpfwort betrachten, werden so ganz unter der Hand die Nomaden zu Beduinen, denen das Prädicat ״räuberisch“ zuzulegen, er für nicht schlimm hält. Auch ändere haben schon die Juden des Exils, die von Ort zu Ort, von Land zu Land Herumgehetzten mit einer gewissen Berechtigung in übertragenem Sinne Nomaden genannt und sehen dabei als Vergleichspunkt nur das Herumwandern. Dass Sombart die Bezeichnung Nomaden auspresst and den Juden alle möglichen Eigenschaften der Nomaden bis zum Beduinentum zuschreibt, ist nach unseren Erfahrungen mit ihm kaum anders zu erwarten. Doch, es mag noch so widersinnig sein, selbst hier bleibt der Verfasser seinem Prinzipe treu, alles, was schwere Schickung den Juden gebracht hat, als von ihrer Eigenart ausgehend und als ihnen ursprünglich anhaftend anzusehen. So dürfen denn die Juden niemals Nomadenart aufgegeben haben, nie tätige Ackerbauer gewesen sein, weder in der Zeit, da sie Palästina bewohnten, noch während der 1500 Jahre, wo sie in dem fruchtbaren Landstrich zwischen Euphrat und Tigris zu einem eigenen Vasallenstaat vereinigt leben konnten.