Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 539)
- Language
- German
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421 Musik macht, Jaques Offenbach französische und ein So-nza Jankee-doodle Musik; dass Lord Beaconsfild sich wie ein Engländer, Gambetta wie ein Franzose, Lasalle wie ein Deutscher geriert“. ״Das hat man seltsamerweise als Beleg dafür anzuführen versucht, dass es keine spezifisch jüdische Eigenart gäbe, während es doch eben diese Eigenart auf das schlagendste beweist : diese Eigenart, so weit sie in einer übernormalen Anpassungsfähigkeit zum Ausdruck kommtu. Das Kapitel über die Eigenart der Juden allein kann einem den Geschmack an dem Buche Sombarts verderben. Neben Binsenwahrheiten enthält es soviel an Irrtümern und Falschem, soviel Zeichen von mangelnder Kenntnis des Wesens der Juden, ihrer Schriften und ihrer Geschichte, soviel Beweise für willkürliche Combination, Vorurteile und Gehässigkeiten, dass man sich sagen muss, das hier und anderwärts unter Mischung von Richtigem und Unwahrem Behauptete und auf den, wieder für den Zweck frisierten, Kapitalismus Bezogene kann unsere Erkenntnis nicht mehren. Ich will mich nicht lange mehr mit dem Buche aufhalten. Doch darf ich die Lehrmeinung nicht unwidersprochen lassen: ״immer nimmt die Geldleihe in dem volkswirtschaftlichen Leben einen ganz grossen, einen erstaunlichen Raum ein“. Das Bild des Ueberflusses, welches Deut. 15,6 mit den Worten gezeichnet wird: ״So wirst du vielen Völkern leihen und du wirst von niemandem borgen“ soll als Beweis für den entwickelten Leihverkehr in biblischer Zeit gelten. Das ist nicht richtig. Es wird nichts anderes damit gesagt, als dass der Segen so gross sein wird, dass man das Entbehrliche verleihen kann. Ebenso wie Deut. 28,12. nach Schilderung der reichgesegneten Landwirtschaft in gleicher Weise verheissen wird: ״und du wirst vielen Nationen leihen, und du wirst nicht borgen“, und wie dort als Gegenbild, in der Strafrede, 28,44, vom emporgekommenen Fremdling gegenüber dem gesunkenen Israel gesagt wird, ״er wird dir leihen und du wirst ihm nicht borgen“. Welchen urkundlichen Beleg über den hochentwickelten Leihverkehr im alten Israel die Strafrede aus Nehemia 5. bieten soll, verstehe ich nicht recht. Dass zur Zeit einer langwährenden Dürre die arme ländliche Bevölkerung in erdrückende Verschuldung gerät, wird bei den Negern Zentralafrikas genau so der Fall sein, wie in den Kulturländern, nur gibt Jahrbuch J. L. G. VIIL ז2