Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 538)
- Language
- German
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420 Es genügt diese Absurdität niedriger zu hängen, um sie der Verurteilung preiszugeben. Wir müssen in Zeiten von Glaubens- Verfolgungen unser Leben hingeben, ehe wir auch nur durch Veränderung eines Kleidungsstückes oder durch Ausserachtlassen einer Anordnung der Weisen den Schein erwecken, als hätten wir das Judentum verlassen. Das ist es, was der Talmud lehrt, und das haben zu allen Zeiten die Eabbinen mit grösstem Nachdruck ihren Schutzbefohlenen nicht angeraten, nein anbefohlen. Dass nicht alle zu allen Zeiten stark genug waren, um den Heroismus zu betätigen, den das Gesetz fordert, ist erklärlich. Von den spanischen Juden wurde auf das Verjagungsedikt hin wohl ein Bruchteil Marannen, viele Hunderttausende von ihnen dagegen gaben am 9. Ab des Jahres 5252 die gesicherte Lebensstellung im heissgeliebten Vaterland auf, um unter unbeschreiblichen Nöten und Gefahren sich eine neue Heimat zu suchen. Wäre sie vorhanden gewesen, diese uns von Fromer und Sombart nachgesagte Anpassungsfähigkeit durch ״zeitweiliges Sichtotstellen“, dann wären in der Geschichte unseres Vaterlandes nicht die blutigen Blätter von den Judenmorden in den Zeiten der Kreuzzüge und des Schwarzen Todes. - Wieso übrigens intellektuale Veranlagung für ״zeitweiliges Sichtotstellen“ bei Religionszwang Vorbedingung ist, ist unerfindlich. Muss der einfache tiroler Bauer in ״Glaube und Heimat“, der sein Evangelium versteckt hält, mit besonderer intellektualer Veranlagung gedacht werden? Sombart macht auch Witze, ob freiwillig oder unfreiwillig, lässt sich schwer entscheiden. Wie er als Zeichen der Anpassungsfähigkeit ein ״zeitweiliges Sichtotstellen“ hervorhebt, so findet er auch ״Farbenanpassung“ oder andere Arten von Mimicry bei den Juden. Diese ״Farbenanpassung“ zeigt sich ihm in den Vereinigten Staaten, wo die Juden durch äussere Hilfsmittel wie Kleidung, Haartracht, Haltung usw. den Yankee-Typus nachzuahmen verstehen. Sombart empfindet die Juden in dem Masse als Fremde in den Ländern, die sie seit vielen Jahrhunderten bewohnen, dass er es nur mit Jüdischer Eigenart“ zu erklären vermag, ״dass es dem Juden in England gelingt, wie ein Engländer zu werden dem Juden in Frankreich, wie ein Franzose und so fort: zu werden oder doch wenigstens zu erscheinen“. Für ihn hat es etwas Merkwürdiges an sich, wenn Felix Mendelssohn deutsche