Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 537)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486281--3471-3489837- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
419 fasser stets als fanatisch — soll eine flachwurzelnde sein? Sollte es auch für das ״aufgeklärte Zweiflertum“ keine tiefere Erklärung geben, als die an Oberflächlichkeit nicht zu überbietende vom Flachwurzeln? Was wir jedoch bisher dem Verfasser entgegenzuhalten hatten, es verschwindet dem Widerspruch gegenüber, den seine Lehre von der ״Anpassungsfähigkeit“ hervorrufen muss. Dass den Juden, wie allen intelligenten Völkern, sagen wir, wie allen Kulturvölkern, ein gewisses Mass von Anpassungsfähigkeit eigen ist, wer wollte das bestreiten P Wenn in unserem Buche etwas recht Ungeheuerliches doziert werden soll, so wird der Talmud aufgeschlagen, irgend eine Stelle herausgeholt und dem erstaunten, zweifelnden Leser als Beleg präsentiert. Auch hier begegnen wir demselben Spiel. Die bekannten Ermahnungen zur Demut und Bescheidenheit: ״Sei biegsam wie Schilf“. ״Warum wird die Thora mit dem Wasser verglichen?“ und ebenso der wundervolle Satz aus dem Gebetbuch: ״Lasse meine Seele schweigen, denen die mir fluchen, und meine Seele allen gegenüber dem Staube gleich sein“, sollen ans der Erkenntnis von der ״Notwendigkeit der Schmiegsamkeit und Biegsamkeit für den Fortbestand Israels“ entsprungen sein. Von dem genannten Satz am Schluss des Achtzehngebets gibt selbstverständlich weise Beschränkung, sich mit der zweiten Hälfte und zufrieden, die folgendermassen wieder gegeben wird, ״Und meine Seele sei Staub für alle“ (״auf den man tritt“). An entstellte Zitate aus unseren ßeligionsschriften und manches andere, das dem ähnelt, hat man uns schon gewöhnt. Aber dass Herr Sombart sich von Fromer die Hand führen lässt, um die Tatsache des ohne Parallele dastehenden, sich ungezählte Male in eigreifender Grösse wiederholenden jüdischen Martyriums mit einem Federstrich aus der Welt zu schaffen, das übersteigt seine sonstigen Leistungen. ״Deshalb rieten auch ganz schlüssiger Weise die Babbinen ihren Schutzbefohlenen an, sich zum Scheine als Angehörige der Konfession ihres Wirtsvolks zu gebärden, wenn davon die Existenz im Lande abhängig gemacht wurde. Und dieser Bat ist, wie man weiss, in weitem Umfang befolgt worden: durch ״zeitweiliges Sichtotstellen“ (Fromer) hat der jüdische Stamm weiter zu leben versucht und weiter zu leben vermocht“.