Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 536)
- Language
- German
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418 den grossen Reiz verleihen, gesagt wird : ״Gerade darin aber tritt das Willenhafte, das Zweckbedachte zu Tage* das hier zum Willenlosen, Zwecklosen umgewandelt ist, aber doch, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen, das ganze Wesen beherrscht“. — Aus der Zweckbedachtheit der Juden wird dem Verfasser in Verbindung mit der Energie, die jene Juden besitzen müssen, welche auf irgend einem Gebiet Grosses erreicht haben, und die darum eine jüdische Eigenschaft sein soll, die ״Zielstrebigkeit“. Da die Juden lebhaft sind, so findet er für sie als neue Eigentümlicbkeit ihre Beweglichkeit, und der körperlichen und daraus wieder erschlossenen geistigen Beweglichkeit gesellt er in Bebenswürdig willkürlicher Art eine moralische Beweglichkeit hinzu. — Mit den gefundenen Elementen der jüdischen Eigenart ist es ihm nicht genug, sie zeigen sich ihm auch als rastlos und anpassungsfäbig. Da in Berlin Juden bei künstlerischen und geselligen Veranstaltungen der jüngsten Jahre eine gewisse Rolle spielten, die ein Ausfluss ihrer ״Rastlosigkeit“ sein soll, ist bei dem engen Berliner Horizont des Verfassers auch schon der verallgemeinernde Satz da: ״Alle Veranstaltungen künstlerischer oder geselliger Natur in unseren Grossstädten haben Juden als ihre Träger“. Sehr bezeichnend ist, wie mit einigen ״darum“ aus der ״intellektualen Veranlagung“ und in der Luft stehenden Annahmen Folgerungen gezogen werden, die für uns völlig unverdiente, sagen wir, Schmeicheleien bedeuten. ״Aller Intellektualismus ist letzten Endes Flachwurzler : er dringt nirgends in die Tiefen der Sache, nirgends in die Tiefen der Seelen, nirgends in die Tiefen der Welt. Und darum macht er es dem,, den er beherrscht, leicht, sich von dem einen dem anderen zuzuwenden, wenn der unruhevolle Dämon ihn dazu treibt. Darum ruhen im Judentum auch fanatische Strenggläubigkeit und ״aufgeklärtes“ Zweiflertum dicht nebeneinander: beide sind eines Stammes.“ Wenn solche Schlüsse wie der Verfasser sie wagt, auch nur einen Teil von Berechtigung hätten, so müsste man sich ernstlich fragen, ob man nicht Heber stupid als intelligent sein möchte« Beim letzten Satz besonders wird man stutzig, wie kann ein denkender Mann, so etwas niederschreiben, was aller Logik und Erfahrung ins Gesicht schlägt. Die Jahrtausende überdauernde Strenggläubigkeit der Juden — Strenggläubigkeit gilt dem Ver-