Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 534)
- Language
- German
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416 Nach diesen famosen Beweisen für den Vorwurf, die geistige Befähigung der Juden führe zur Verachtung der Arbeit, kommt dann die Gleichsetzung der jüdischen Intelligenz mit ,Verstandesschärfe‘, auf deren Schattenseiten kurz hingewiesen wird, um dann Torzutragen: ,Aber wichtiger für die Beurteilung der jüdischen Psyche ist der Umstand, dass sich die Verstandestätigkeit auch insofern einseitig zu entwickeln die Neigung hat, als andere wichtige Seiten des geistigen Lebens unter dem Ueberwuchern des Verstands verkümmern und verdorren.“ Bezüglich dieser ungeheuerlichen Behauptung werden dann Belege gebracht oder (Konsequenzen gezogen, welche Tatsachen auf den Kopf stellen, und aufs neue erhärten, wie wenig der Verfasser das Wesen der Juden und ihre Geschichte kennt. Einen jüdischen ״Mystiker“ kann sich Sombart nicht vorstellen, die Kabbala ist eine andere Art Mystik wie die Jakob Böhmes. Es ist ihm gänzlich unbekannt, dass die christlichen Mystiker mit besonderer Vorliebe sich immer wieder mit der Kabbala der Juden beschäftigten. Das passt ihm aber nicht in den Kram, weil er will, dass ״alle empfindungs- und gefühlhafte Beziehung zur Welt“ uns nicht, ״so wesensverwandt ist“. Die ״unkonkrete Sinnesart“, die ״sinnlichunlebendige Geistesrichtung“, ״das in einer abstrakten Welt Eingesponnensein“ fällt ihm immer wieder bei den Juden auf. Beleg: Ein junger Jude, ein politischer Fanatiker, war aus Ost- Sibirien zu ihm nach Breslau gekommen, um bei ihm ״Marz zu studieren“. Nach einigen Monaten reiste dieser junge Mann wieder zurück, ohne sich Breslau angesehen und ohne dort Bekanntschaften gesucht zu haben, ganz seinen Studien hingegeben. Ich glaube, dass ein politischer Phantast eines anderen Stammes, der eine Reise von drei Wochen macht, nur um den wissenschaftlichen Sozialismus kennen zu lernen, seine kostbare Breslauer Zeit auch nichts anderem als seinem Phantom widmen würde. Dieser selbe Mangel ״an Anschaulichkeit, an aufnehmender und schöpferischer Sinneskraft“ ist ihm auch die Ursache, dass es so wenige jüdische Maler gebe. Geschichtliche Gründe ahnt der Verfasser nicht; ihm scheint es unbekannt zu sein, dass die Malerei in den christlichen Ländern zunächst im Dienst der Kirche stand und daher die Juden zu diesem künstlerichen Beruf keinen Weg fanden. Heute gibt es zwar hervorragende jüdische Maler