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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 533

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 533)
Language
German
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415 sagt: immer lehre eia Mensch seinen Sohn ein reines und leichtes Handwerk usw.:: Wenn Sombart mit Belegen aus dem Talmud kommt, und darauf eine Eigenschaft begründet, die er deu Juden des talmudischen Zeitalters oder gar aller Zeiten gerne aufbürden möchte, so darf man misstrauisch sein. Dem Leser wird es aufgefallen sein, dass Rabbi für das Beispiel vom Gegensatz zwischen Berufen, die weniger oder mehr körperliche Tüchtigkeit erfordern, gerade Gewürzkrämer und Gerber wählt. Man schlage die Stelle in Kidduschin 82 b nach, sehe sich den ganzen Ausspruch Rabbis an und man wird sofort erkennen, dass Sombart den Talmud falsch verstanden hat. Rabbi sagt: Es gibt kein Handwerk, das von der Welt verschwindet. Heil dem, der seine Eltern bei einem vortrefflichen Handwerk gesehen hat, und wehe dem, der seine Eltern bei einem hässlichen Handwerk gesehen hat. Die Welt kommt ohne Gewürzkrämer und Gerber nicht aus. Heil dem, dessen Handwerk die Bearbeitung der Gewürze ist, wehe dem, dessen Handwerk die Gerberei ist“. Mau wird zugeben, dass Rabbi der Gegensatz zwischen ״Gewürzkrämer״ und ״Gerber“ nicht in der leichteren oder schwereren Arbeit sieht, sondern in den Wohlgerüchen, die den einen, und den unangenehmen Düften, die den anderen umgeben. Gleich vor dem Ausspruch Rabbis wird auch im Talmud die Frage beantwortet, was unter einem reinen und leichten Handwerk zu verstehen sei« ״Was ist ein reines und leichtes Handwerk? R. Juda sagt: die Verfertigung von Nadeln für das Sticken מחטא דתלמיותא“ *). Dass aus den beiden Talmudstellen sich nichts für die von Sombart so gern bewiesene Arbeitsscheu der Juden ergibt, ist sonnenklar. Sonstige Aussprüche, aus denen man Geringschätzung der Handarbeit im Talmud beweisen könnte, gibt es nicht; das Gegenteil ist die Wahrheit. *) R. Nathan im Aruch erklärt, diese Verfertigung von feinen Nadeln werde deshalb ein reines Handwerk genannt, weil es nicht zur Verletzung fremden Vermögens führen könne, und ein leichtes, weil es keinen Verlust bringe. נקיה מגזל וקלה דלית בה חסרון ביס. Aruch hält den Verfertiger feiner Nadeln wohl deshalb gegen Verlust gesichert, weil der Käufer der Erzeugnisse dieser Feinarbeit die kunstvolle und mühsame Arbeit bezahlt, und der Wert des Rohmaterials, das dieser Handwerker einzukaufen hat, dem Preis des Produkts gegenüber ein geringfügiger ist.

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