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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 532

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 532)
Language
German
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414 leute, mit denen er verkehrt. An die physischen Anforderungen, welche schon an das kaufmännische Personal gestellt werden, an die körperliche Anstrengung des Korrespondenten und Reisenden denkt er nicht. Dass heute noch, und in früheren Zeiten noch weit mehr, die Juden als Händler niederer Klasse, als Hausierer, ihr Brod verdienten und verdienen mussten, davon weiss er; ist aber noch nie auf der Landstrasse einem solchen Hausierer begegnet, der sein fliegendes Warenlager, seinen schweren und grossen Packen, von Ort zu Ort schleppt, so viele Stunden hindurch ununterbrochen eine körperliche Arbeit verrichtend, wie sie keinem Lastträger an Hafenplätzen mühevoller und angreifender zugemutet wird. ״Es mag Judenschaften gegeben haben und noch heute geben, in denen schwere körperliche Arbeit gern und mit Vorliebe geleistet wird: für unsere europäische Judenschaft gilt das nicht“. Wir würden Herrn Sombart raten, nach Russisch- Polen und Galizien zu reisen und die grosse Menge fleissiger jüdischer Arbeiter und Handwerker aller Art bei ihrem Tagewerk zu beobachten, wenn wir nicht fürchteten, dass ihm sein Studium durch die fremdartigen Verhältnisse dieser Länder über Gebühr erschwert würde. Doch er kann heute die russischen Juden in Kulturzentren aufzuchen. Er besuche einmal den jüdischen Osten Londons mit seinen zehntausenden jüdischen Handwerkern und Arbeitern, deren rastloses Abmühen um’s kärgliche tägliche Brot bei unausgesetzter körperlicher Anstrengung von der arbeitenden Klasse keines anderen Stammes übertroffen wird. Auch in Deutschland und Oesterreich-Ungarn wird er in Erstaunen geraten über die grosse Zahl von Juden, die durch Körperarbeit das zum Leben Notwendige sich verdienen. In Wien haben die jüdischen Dienstmänner eigene Bethäuser und Vereine, und man kommt an Wochentagen selten in eine Synagoge, in welcher man ihre roten Mützen nicht sieht. Der Satz von der Arbeitsscheu der europäischen Judenschaft ist einer der vielen haltlosen, an denen Sombarts Buch keinen Mangel leidet. ״Und auch die Juden der Talmudzeit zogen die Berufe vor, die weniger Anforderungen an körperliche Tüchtigkeit stellten. Nach Rabbi galt der Satz, wie wir schon sahen: ״Die Welt kann weder des Gewürzkrämers noch des Gerbers entbehren. Heil dem, dessen Beschäftigung es ist, Gewürzkrämer zu sein“. .... R. Meir

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