Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 530)
- Language
- German
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412 Ich meine auch, Sombart hätte im Kapitel vom ״Judaismus und Puritanismus“ seinen Auszug aus dem ״calvinischen Juden- Spiegel von 1608“ sich füglich sparen können. Die Gründe, die der Verfasser des alten Pamphlets für die Verwandtschaft des Judentums mit dem Galvinismus anführt, hält er doch nicht weiter der Mitteilung wert. Der den Calvinisten in den beiden allein mitgeteilteu Vergleichspunkten gemachte Vorwurf, dass sie wie die Juden das Geld liebten und Betrüger seien, sagt ja eigentlich nichts für sein Thema. Vielsagend ist das ״Also!“ mit dem der Verfasser die Mitteilung seiner wertvollen literarischen Ausgr&bungen schliesst. Also! Der Grund für die vielen Beziehungen der Puritaner zum Judentum liegt meines Erachtens sehr klar. Es sind diese eine Consequenz des Verlaufs der schottischen Beformation, die, bis auf die Bibel der Juden zurückgehend, diese sehr hoch bewertet. Alle alttestamentlichen Erscheinungen im Wesen und in der Geschichte des Puritanismus erklären sich daraus zwanglos. Eg erübrigt vollkommen, hier nach einem direkten Einfluss von Juden zu suchen. Höchstens hat man an die Bekanntschaft mit jüdischen Bibelerklärungen zu denken, wie dies ja auch für Luthers Ueber- Setzung bedeutsam ist. Dass übrigens die hohe Sittlichkeit der Puritaner und ihre strenge Sonntagsfeier Quellen ihrer Tüchtigkeit sind, darin ist dem Verfasser vollkommen beizustimmen. Ein Sombart schildert die ״jüdische Eigenart“. — Ein Mann wie er, der nur Berliner Juden zu kennen scheint, von Leuten wie Fromer sich vom polnischen Ghetto erzählen lässt, dazu noch eine ziemliche Dosis Voreingenommenheit besitzt und bei seinem Studium nur die Beziehungen zum Kapitalismus im Auge hat, muss notwendig zu falschen Schlüssen kommen. Die hervorstechendste Eigenschaft der Juden sieht er in ihrer Intelligenz, dazu gesellen sich ihm, als aus dem Intellektualismus oder der ragenden Geistigkeit geboren, Zielbewusstsein, Rastlosigkeit, Anpassungsfahigkeit und Beweglichkeit. Dass die Intelligenz der Juden auf dem Thorastudium beruht, dem Jahrtausende hindurch ausnahmslos das ganze Volk sich widmete, ist klar. Wer nur irgend dazu begabt war, trieb dieses Studium mit Fleiss und Begeisterung, und eignete sich dadurch eine nicht unbedeutende Bildung an. Bezeichnend ist das dahinzielende Wort eines jüdischen