Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 525)
- Language
- German
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407 Atemzuge der jüdische Mann ein Dankgebet spricht, dass er nicht als Frau geschaffen wurde. Ebenso wie wir mit dem Dankgebet, dass Gott uns von allen Völkern erwählt, es aussprechen, dass wir nicht durch eigne Kraft zur Erkenntnis der Wahrheit gelangten, dass diese mit der Thora uns gnädig geschenkt wurde, ähnlieh danken wir bei der Benediktion, dass wir nicht als ״Goi“ geschaffen wurden. Jeder Gedanke an Verachtung ist dabei ausgeschlossen. Die vom Verfasser behauptete Fremdenverachtung der Juden führt ihn zu der Fremdengesetzgebung der Thora. Es nicht berücksichtigend, dass irgendwelcher Raub, Diebstahl und Betrug selbst dem Götzendiener gegenüber streng verboten ist, trägt er vor, dass die einzelnen Rechtssätze, die den Nichtjuden anders als den Juden behandelten, den Juden zur Unredlichkeit gegen die Nichtjuden verführt hätten. Ueber die differenzierende Fremdengesetzgebung wurde schon viel gesprochen und auch nachgewiesen, dass eine absolut einheitliche Gesetzgebung gar nicht möglich war. Ich will in der Hauptsache nur die Zinsgesetzgebung berühren, bei der sich der Verfasser lang aufhält. Es ist kaum verständlich, dass er als Staatswirtschaftler ein Verbot des Zinsnehmens von Nichtjuden auch nur für möglich hält. Ohne Gegenseitigkeit ist ein solches Verbot doch nicht denkbar, sollte andernfalls nicht herbeigeführt werden, dass nach und nach das jüdische Nationalvermögen in’s Ausland oder zu den Fremden hinüberwanderte. Wenn der Verfasser eine Gemarasteile nicht verstanden hat, so ist er schnell mit einem Vorwurf bei der Hand. Die Gemara Baba mezia 70 b sagt klar und deutlich, dass die Weisen das Zinsnehmen von Nichtjuden verboten haben, obgleich es die Thora erlaube. ״Ich habe die Empfindung, als diente ein grosser Teil der Diskussion ausschliesslich dem Zwecke, den ausserordentlich klaren Tatbestand, wie er durch die Thora geschaffen wurde, zu verdunkeln.“ Wo in aller Welt verdunkelt denn der Talmud einen Tatbestand! Mit einem solchen Talmudgelehrten, wie der Herr Verfasser, ist schwer Kirschen essen. Wo der Talmud eine scheinbare Grundlage zur Anklage gegen die Juden liefert, wird sie anstandslos verwertet; sagt er etwas, was dem Herrn nicht in den Kram passt, da hat er die Empfindung, als sollte etwas verdunkelt werden. Man soll von niemandem gering