Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 524)
- Language
- German
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406 der will tadeln um jeden Preis! In unserem Buch ist dafür gesorgt, dass neben Stellen, die Unwillen hervorrufen müssen, solche stehen, die uns lachen lassen. So, wenn der Verfasser — gleichsam um zu dokumentieren, wie wenig er in der jüdischen Wissenschaft zu Hause ist, — den Eben ha־eser des im 11. Jahrhundert blühenden R. Elieser b. Nathan (Abbr.: Raben) einen eherechtlichen Codex nennt, ״in dem die verschiedenen Be- Stimmungen über die Handhabung dieser Sache (erstmalig?) systematisiert und codificiert werden.“ Ich habe diese Verwechslung des Werkes des ״Raben“ mit dem Eben ha־eser des Tur schon anderswo gefunden. Die betreffende sachkundige Schrift wird wohl von dem Verfasser studiert worden sein. In unserem Buche wird einmal, beiläufig in recht schiefer Weise, dem gesetzestreuen Juden die Moral des tugendhaften Gewürzkrämers zugeschrieben und man lässt ihn wie diesen ״mit grenzenloser Verachtung auf die sündige Welt um sich her herabblicken“. Dieser verachteten sündigen Welt gehören, nach wiederholten Bemerkungen des Verfassers, alle Nichtjuden an. Den Rabbinern, welche Verleumdungen der Antisemiten zurückweisen, schenkt der Verfasser prinzipiell kein Vertrauen. Dass die Angehörigen der Kulturvölker, als Beobachter der noachidischen Gebote, von uns Ehrerbietung und Förderung auf Grund unseres Religionsgesetzes fordern können, glaubt er nicht. Nach ihm sind uns alle Nichtjuden den Götzendienern des Altertums gleich. Dass wir aber den Lehrsatz haben, die Frommen der Völker der Welt haben Anteil am zukünftigen Leben, dass wir keinen Menschen verachten sollen, dass wir jedem gegenüber bescheiden zu sein haben, und dass ein R. Jochanan ben Sakkai dem Heiden auf dem Markt zuerst den Gruss bot, weil er sich sagte, dass dieser, in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen wie der grosse uns vorbildliche Meister, vielleicht ihn überflügelt hätte, — all das wird nicht beachtet. Sombart schlägt unser Gebetbuch auf und weist, wie vor ihm andere Ankläger des Judentums, auf die Stelle hin, wo wir dem Schöpfer danken, dass er uns nicht zum ״Goi“ gemacht hat, nicht berücksichtigend, dass es Nichtjuden genug gibt, die sich ihres Glaubensbekenntnisses dankbar freuen, ohne dabei die Bekenner einer anderen Religion zu verachten. Sieht nur die auf den ״Goi“ bezügliche Benediction und beachtet nicht, dass fast im selben