Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 521)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486281--3455-3489821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
403 flüssen herleitet? Ihn muss es doch eigenartig berühren, wenn er Eltern zu ihren Kindern sagen hört: wenn ihr brav seid, gibts Belohnung; wenn ihr aber unartig seid, fürchtet die Strafe. Merkwürdig, wie sich die einfache Pädagogik selbst der Dorfbewohner auf der Vertragsidee aufbaut. Merkwürdig, sehr merkwürdig!- Der Verfasser wundert sich öfters über ganz selbstverstündliche Dinge. Dass die Bibel den Reichtum und den Ueberfluss als etwas Angenehmes hinstellt, dass sie dem Tugendhaften irdischen Segen verheisst, hält er für eine speeifisch jüdische Eigentümlichkeit. Das Wort, mit dem man hier entgegnet, ist eigentlich zuviel. Wer erstrebt denn nicht die Sorglosigkeit und Unabhängigkeit, die durch den Reichtum im allgemeinen gewährleistet wird? Dass dagegen das Judentum zum Erwerb geradezu antreibt, wie behauptet wird, das ist eine der vielen Uebertreibungen, an welchen unser Buch so reich ist. Genügsamkeit, Zufriedenheit, möglichste Ausnutzung jeder freien Stunde zum Studium des Gesetzes, das wird uns immer in allen Religionsquellen angeraten und befohlen, nirgends aber, dass wir Reichtum erstreben sollen. Als Kuriosum sei hier erwähnt, dass Sombart השמח בחלקו übersetzt: ״wer sich seines Reichtums freut“. Dass Rabbi Amschel Rothschild, der als Prototyp des frommen Grosskaufmanns immer wieder angeführt wird, dem Schöpfer für seine geschäftlichen Erfolge dankt, wird sich jeder sagen; dass er aber die Freitagabende dazu verwendete, um über die Erfolge seines Erwerbslebens nachzudenken, ist eine falsche Auffassung. Gleich allen, dem Religionsgesetze treue Juden, wird Rabbi Amschel mit dem Eintritt des Sabbats bemüht gewesen sein, jedes Nachdenken und Ueberdenken des Erwerbslebens fernzuhalten. Auch wird ein Rabbi Amschel sich auf das Buch Sirach nicht in der Weise berufen, wie es hier ansgemalt wird. Das Buch Sirach ist uns kein Teil der Bibel. Es ist sehr gut denkbar, dass ein tüchtiger Talmudist, abgesehen von den vereinzelten Zitaten, die sich in der Gemara finden, die Weisheitssprüche des Sirach nicht weiter kennt. Wenn in den Proverbien noch weit mehr> als es der Fall ist, der Reichtum behandelt würde, so wäre das nicht erstaunlich; die sieben Proben aber, die für das Lob des Reichtums aus der grossen Zahl der Sprüche Salomo’s in unserem