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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 518

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 518)
Language
German
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400 gefassten Meinung gefangen nehmen lässt, dass er immer nur das sieht, was er sehen will. Es ist dies leider nur ein Beispiel von vielen. Betrachten wir den bekannten von Sombart so entstellten Ausspruch des Amoräers R. Jizchak: ״Man richtet den Menschen nur nach seinen Handlungen bis zur betreffenden Stunde, denn es heisst (bei Ismael, Gen. 21): denn Gott hat gehört auf die Stimme des Knaben da, wo er ist. Der Midrasch Rabba zu dieser Schriftstelle illustriert diesen Lehrsatz R. Jizchaks: ״Die Engel wollten den Ismael anklagen: Herr der Welt, einem Menschen, der Deine Kinder einst durch Durst töten wird, willst Du einen Quell herauf bringen? Da sagte Er zu ihnen: Wie ist er im Augenblick, ein Gerechter oder ein Frevler? Als sie sagten: ein Gerechter, wurde ihnen die Antwort: Ich richte den Menschen nur, wie er in der betreffenden Stunde ist“. Bezüglich des Sinnes dieser Zitate kann kein Zweifel sein. Wenn einem Mensehen geholfen werden soll, wird nur sein Lebenswandel bis zu dieser Stunde in Betracht gezogen, nicht berücksichtigt wird dabei, dass es dem himmlischen Richter bekannt ist, dass er oder seine Nachkommen in späterer Zeit Schlimmes tun werden. Wie ist nur ein so totales Missverständnis der Stelle der Gemara oder des Midrasch möglich, dass man aus der alleinigen Berücksichtigung des vorherigen Lebenswandels bei der Beurteilung die Anfertigung eines gelegentlichen Contoauszuges zu deuten vermag? Wie sprunghaft das Denken des Verfassers ist, zeigt sich, wenn ihm der Ausspruch Rabbis am Eingang des zweiten Kapitels von Aboth besagt: ״Ob einer ein Gerechter oder ein Verdammter sei, wird durch Aufrechnung von Mizwoth gegen Uebertretungen festgestellt“. — Es ist etwas Selbstverständliches, dass wer immer an ein himmlisches Gericht glaubt, dabei an ein Abwägen der guten Taten gegen die bösen denkt, wie wir ja auch den Sinnbildern der irdischen Gerichtsbarkeit eine Wage in die Hand geben. Das Bild des Abwägens und der Wage beim himmlischen Gericht über unsere Taten ist sehr häufig, wie jeder weiss, der mit dem Judentum irgendwie vertraut ist; dass nun auch dann und wann von einer Abrechnung gesprochen wird, hat doch nichts Auffallendes. In dem ״Mach deine Rechnung mit dem Vogt“ im Munde des Jägersmanns Teils, hat wohl noch niemand einen Hinweis auf kaufmännisches Denken gefunden. — Rabbi in dem angezogenen

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