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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 515

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 515)
Language
German
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397 gesehen haben will. Die Meinungsverschiedenheiten der Commentatoren und Codificatoren haben ihren Grund in Textverschiebungen, verschiedenen Interpretationen und Zweifeln über die Anwendung des Gesetzes bezüglich der Fälle des vielgestaltigen Lebens, die nicht zur Beschreibung gelangten. Ueber die hauptsächlichsten möglichen Auffassungen des Talmudtextes gewähren auf jeder Seite des gedruckten Talmud der Rasehieommentar und die Be- Bemerkungen der Tossaphot hinreichenden Aufschluss1). Es folgen drei Betrachtungen ״Die Grundlinien der jüdischen Religion. Der Bewährungsgedanke. Die Rationalisierung des Lebens“, die eine solche Fülle von Unsinn, — ich habe kein milderes Wort — enthalten, dass der Entschluss schwer wird, sich eingehend damit zu befassen. ״Ich finde in der jüdischen Religion dieselben leitenden Ideen, die den Kapitalismus charakterisieren; ich sehe sie von demselben Geiste erfüllt wie diesen“. Risum teneatis amici! Was macht nun Sombart in erster Reihe der jüdischen Religion zum Vorwurf? Das Judentum kennt keinMy- *) Wir bemerken hier dem Verfasser, dass Maimonides nicht, wie er bei Grätz gelesen hat, eine Verschärfung des talmudischen Gesetzes in seinem mit kunstvoller Systematik angelegtem Codex anstrebt, ln seinem Gesetzbuch will er nur die für die Praxis gütigen Lehren des Talmuds, nach der Auslegung der Gaonim und der spanischen Schulen klar und übersichtlich darstellen, damit man bei jeder auftauchenden Frage des Lebens, leicht das anzuwendende Gesetz finden kann. Nichts anderes hat der Verfasser des Tur getan, nur dass er seinem aus Deutschland eingewanderten Vater Rabbi Ascher folgend, auch die Talmuderklärungen der deutschfranzösischen Schulen in seinem Werke berücksichtigte. Ebensowenig hat der Autor des Schulchan Aruch die Absicht, neue Vorschriften denen des Talmuds hinzuzufügen. Nach gründlicher Commentirung des Codices des Maimonides und Tur, hat er ein noch übersichtlicheres Handbuch für die Praxis als seine Vorgänger verfasst. Alle drei Codices setzen gründliches Studium des Talmuds selbst bei denen voraus, die sich nach ihnen richten wollen und wie jeder sofort bei dem Studium der Gtossatoren dieser Cadices erkennt, hat kein Paragraf sowohl des maimonidischen Codex, als auch des Tur und Schulchan Aruch gesetzliche Gültigkeit, wenn es sich aus dem Talmud nicht nachweisen lässt oder ihm widerspricht. Der Talmud selbst ist alles andere, denn ein ״Wust“ wie sich Sombart einmal auszudrücken beliebt, er hat seine zweckentsprechende Organisation und Eintetlung. Ein Nachschlagebuch nur für flüchtige Einsichtnahme will er durchaus nicht sein. Für das gründliche emsige Studium ist er da; und diejenigen, die ihm Fieiss und Aufmerksamkeit widmen, finden sich in ihm gut zurecht

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