Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 512)
- Language
- German
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394 aus der Religion ergebende, welche jedoch eher als subjektive Eignung anzusehen sei und die jüdische Eigenart begründe. Wir sind damit zum Kernpunkt des Buches vorgedrungen. ״Noch unlängst hat uns Max Weber den Zusammenhang aufgedeckt, der zwischen Puritanismus und Kapitalismus besteht. Und gerade Max Webers Untersuchungen haben ein gut Teil schuld an der Entstehung dieses Buches; sie mussten jeden aufmerksamen Beobachter vor das Problem stellen, ob denn nicht etwa das, was Weber dem Puritanismus zuschreibt, schon lange vorher und später von dem Judaismus geleistet sei; ja: ob denn das, was wir Puritanismus nennen, in seinen Wesenszügen nicht eigentlich Judaismus sei.“ Wenn im ersten Teile von Sombarts Buch nur hie und da judenfeindliche Lichter über die Bühne huschten, die dann von recht starken konstanten Flämmchen abgelöst wurden, so erblicken wir da, wo der Verfasser auf die Religion und auf die Personlichkeit der Juden zu sprechen kommt, eine gewaltige Fackel, die von einem Manne geschwungen wird, der die idealsten jüdischen Werte zu zerstören droht. Sombart will dessenungeachtet nicht als unser Gegner erscheinen, er wünscht nicht missverstanden zu werden, er meint es nicht so. Doch ich bin mit der talmudischen Ausdrucksweise etwas vertraut, kenne so den Terminus von der notwendigen Begleiterscheinung פסיק רישיה, der im Bilde besagt, wer jemanden den Kopf abgeschlagen hat, sei deshalb nicht milder zu beurteilen, weil er behauptet, es nur auf den Kopf und nicht auf das Leben abgesehen zu haben. Auch der Vers aus den Proverbien ist mir nicht fremd, der von dem Schützen handelt, der zum Spass Brandgeschosse, Pfeile und Tod aussendet. Sombart nützt seine oberflächliche Kenntnis des jüdischen Religionswesens, um den Juden als gefühllose natur- und menschenfeindliche Rechenmaschine hinzustellen, und will dann damit nichts Böses gemeint haben. Mit dem Hinweis, dass man die Juden das ״unfrömmste“ aller Völker genannt habe, leitet er seine Betrachtung über die Religiosität der Juden ein, um dann, zweifelnd, ob man sie ״religiös“ nennen könne, die Meinung vorzutragen, dass man bei ihnen nur von Gottesfurcht im engen Wortsinn sprechen könne. Die sich in den verschiedensten Formen wiederholendeMahnung des Talmuds,