Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 509)
- Language
- German
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391 Beispiel von dem Alabarchen Alexander, dem Jaden, den sich der jüdische König Agrippa zum Vertrauensmann nahm und seiner Freundin, der Mutter des Claudius, empfahl, sagt gar nichts, ebensowenig das dritte und letzte Beispiel vom Schatzmeister der Königin Kandake von Aethiopien, der als Proselyt aus dem Aetbiopierland, aber nicht als geborener Jude angesehen wird. Was die *Begründung des besseren Fortkommens der Juden aus ihrer Fremdheit bttrifft, so erinnert das lebhaft an das lucus a non luceDdo. Der Fremde ist im Nachteil und, wenn das Bewusstsein dieser Inferiorität zu erhöhter Anstrengung führt, so reicht das meiner Ansicht nach kaum aus, um die aus der Fremdheit erwachsenden Schäden auszugleichen. Doch darüber will ich nicht weiter rechten. Aber ich protestiere mit aller Energie gegen die Behauptung, dass die Juden, weil sie fremd in die Länder kamen und weil sie andere Religion und Sitten hatten, für die Geschäfte mit ihren Wirtsvölkern sich der Rücksichtslosigkeit der ״Fremdenmoral“ bedienten; das heisst denn doch nichts anderes, als sie der Ausschaltung der Moral anklagen. Die Bitte des Verfassers, nicht missverstanden zu werden, wenn erden Ausdruck ״Fremdenmoral״ gebraucht, ist eine überflüssige; der Ausdruck und die sich darauf beziehende Darlegung ist so eindeutig, dass man ihn nur als Anklage schwerster Art gegen die Juden ansehen kann. Wer vom gesicherten Port aus, wie die italienischen ״königlichen Kaufleute“ und die Ostindienfabrer des Verfassers zu Fremden herüberfährt, widersteht oft der Versuchung nicht, bei seinen Beziehungen zu den ihm fremden Einwohnern Skrupellosigkeit walten zu lassen. Wer dagegen als Heimatloser an eine Küste gelangt, an der er wagen kann, sich niederzulassen, muss bestrebt sein, das Zutrauen seiner Wirte durch Redlichkeit zu gewinnen und wird, wenn ein Funke Dankgefühls sein eigen, — und die Juden sind ein Volk, das die kleinste Freundlichkeit dankbar vergilt, — das Wohl seines Asyls und seiner Bürger nach Kräften zu fördern bestrebt sein. Hätte der Verfasser uns beargwöhnt, dass wir Juden gegenüber denen, die uns rück sichtslos befehdet und gepeinigt haben, aus allzumenschlichem Gefühl heraus ebenfalls Rücksichten hätten vergessen können, so hätten wir nicht umhin gekonnt znzugeben, dass unsere Wirtsvölker für solchen Argwohn leider einen Boden geschaffen