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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 507

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 507)
Language
German
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S89 ist iricht zu widerlegen, dass unser modernes verkehrswirtschaftliches Leben diese Schattenseite aufweist. Es ist jedoch darauf aufmerksam zu machen, dass die scharfen sozialen Gegensätze nicht nur hier klaffen und dass sie nicht von der modernen Zeit geschaffen wurden. Dieselben Beziehungen herrschen in den Feudalländern seit vielen Jahrhunderten. Wenn wir in dem Satz, der die Definition des Kapitalismus geben soll, für diesen ״Latifundienwirtschaft“ einsetzen, für ״verkehrswirtschaftliehe“, ״landwirtschaftliche“, für ״Sachgütervorrats“ ״Besitzes“, so passt diese Bestimmung genau auf die uralte Art und Weise des landwirtschaftlichen Grossbetriebs. Auch bei der Land- Wirtschaft beherrscht die ״Erwerbsidee“ das Wirtschaftssystem, auch hier gibt es ״eine bewusste Ausrichtung alles Handelns auf die höchstvernünftige Methode des wirtschaftlichen Verhaltens“, auch hier gibt ״die systematisch auf Erzielung von Gewinn gerichtete Wirtschaftsführung“ den Anlass ״zu dem Streben nach beständiger Expansion der Betriebe“. Auch der auf die Zukunft gerichtete Wirtschaftsplan, Zweckmässigkeit, Bechnungsmässigkeit ist für den Grossbetrieb der Landwirtschaft nötig. An den weiteren Vergleichspunkten liegt weniger; doch scharf zu betonen ist, dass bei der Latifundienwirtscbaft zum mindesten derselbe Gegensatz zwischen Unternehmer und Arbeiter vorhanden ist, wie bei dem Betriebe des Kapitalismus. Der Kapitalismus ist dabei im Vorteil, weil die Ausnutzung der modernen Erfindungen, die zur angenehmeren Lebensführung eines jeden einzelnen führen, meist nur im Grossbetrieb möglich ist, während dieser bei der Landwirtschaft für die quantitativ und qualitativ reichlichste Erzielung des Bodenertrages nicht unerlässliche Bedingung ist. Auch scheinen sich die Leute als Nurarbeiter im Dienste des Kapitalismus wohler zu fühlen, als wenn sie bei dem Grossgrundbesitzer tätig sind, anders wäre ja die vielbeklagte und so sehr beklagenswerte Landflucht nicht verständlich. Mir liegt daran zu betonen, dass unsere moderne Geldwirt- Schaft aus einem Erfordernis der Zeit heraus geboren ist. Der grosszügige industrielle Betrieb, der die ganze Verwertung einer Beihe der segensreichsten technischen Errungenschaften erst ermöglicht, ist ohne den Kapitalismus nicht denkbar. Wer mitarbeitet an der soliden Deckung des Geldbedürfnisses im Handel Jahrbuch J. L. G. VIII. 25

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