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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 506

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 506)
Language
German
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888 Bevor ich auf die Besprechung der hier interessierenden Raisonnements eiDgehe, die Sombart aus den jüdischen Religions• quellen und der jüdischen Geschichte zu begründen sucht, Fragen, bezüglich deren Beantwortung ich mich dem Autor gegenüber für competent halte, will ich mir erlauben, einige Bemerkungen zu der Definition des Kapitalismus in unserem Buche zu machen. Sonst werde ich als Laie auf dem Gebiet der Staats Wissenschaften im grossen und ganzen den Erörterungen über Dinge, die mit der Fachwissenschaft des Autors Zusammenhängen, aus dem Wege gehen. Wenn das, was der Glaube und die Erlebnisse des jüdischen Volkes dem Verfasser sagen, auch nur annähernd richtig wäre, so müsste eine Kritik seiner Ansichten von den zahlreichen wirtscbaftlichen Definitionen ausgehen, die in seinem Buche gegeben werden, und ich wäre dann der Mann nicht, dem es zukäme, eine Kritik zu schreiben. Da aber, wie ich zeigen werde, die Nach- Weisungen des Verfassers aus den Gebieten der jüdischen Wissen- Schaft in den springenden Punkten irrig sind, so fällt der Herzog, wenn der Mantel fällt, und ist es gleicbgiltig nachzuweisen, inwieweit seine volkswirtschaftlichen Anschauungen wahr oder falsch sind. Da aber immerhin den Juden im Reich des s. g. Kapitalismus eine führende Stellung zukommt, so will ich an der Definition, die hier vom Kapitalismus gegeben wird, nicht achtlos vorübergehen. Zitieren wir : ״Kapitalismus nennen wir diejenige verkehrswirtschaftliche Organisation, bei der regelmässig zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen — die Inhaber der Produktionsmittel, die gleichzeitig die leitende Arbeit ausführen, und die besitzlosen Nurarbeiter — Zusammenwirken, so zwar dass die Vertreter des ,.Kapitals“ (des zur Einleitung und Durchführung des wirtschaftlichen Prozesses erforderlichen Sachgütervorrats) die Wirtschaftssubjekte sind, das heisst den Entscheid über Art und Richtung des Wirtschaftens und die Verantwortung für dessen Erfolg tragen.“ Gegen diese Definition an sich habe ich nichts einzuwenden. Es wird jedoch darin etwas Odioses vom Kapitalismus behauptet, der Gegensatz nämlich zwischen den Vertretern des Sachgüter- Vorrats und den besitzlosen Nurarbeitern, was besagt, dass der Kapitalismus die schärfsten sozialen Gegensätze geschaffen hat, indem er die Besitzlosen für die Besitzenden arbeiten lässt. Es

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