Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 505)
- Language
- German
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387 Sombart geht weiter, er bringt es fertig, die Jaden Verfolger aller Zeiten und aller Völker reinzawaschen; nicht umsonst ist er bei Dr. J. Fromer, alias Jakob Elias, in die Schale gegangen, wo ja demonstriert wird, dass er das jüdische Lamm war, welches den reissenden Wölfen das Wasser getrübt hat. Ein Agobard, Rhabanus Maurus, Innocenz III und die lange Reihe von Männern, welche, die Volksseele vergiftend, den Instinct der Menge gegen die Juden aufreizten, sie alle hätten demnach sich ihre Mühe sparen können. Eine Zuneigung der Völker für die Jaden, die gewaltige Werbekraft der jüdischen Religion ist für ihn nirgends zu constatieren, weder im römischen Weltreich, noch bei den Christen des frühen Mittelalters, noch irgendwo anders. Die Juden haben sich selbst ins Ghetto gesperrt; ihre ״grenzenlose Verachtung״ der Andersgläubigen, die Eigenart ihres Wesens, ihr sie im Verkehr beschränkendes and natarfeindliches Religigionsgesetz, in ihnen liegen die Ursachen des immer wiederkehrenden Judenhasses. Auf ״die Historiker“ sieht ein Sombart prinzipiell mit Verachtung herab and die Geschichte wird nur insofern von ihm berücksichtigt, als sie den Laftgebilden seiner überkühnen Kombination den Schein einer Grandlage bietet. Das Buch ״Die Juden und das Wirtschaftsleben“ enthält in seiner zweiten und grössten Hälfte eine Reibe von Ausführungen, bei deren Lektüre man sich unwillkürlich an den Kopf greift and sich fragt, ob man denn wissenschaftliche Dedactionen oder die Phantastereien eines Mannes vor sich hat, der vorgefasste Meinungen mit Gewaltmitteln aufrecht erhalten will. Bibelübersetzung waren ihnen die biblischen Berichte vom Auszug aus Aegypten zugänglich geworden. Es liegt auf der Hand, dass diese den Nationalisten Aegyptens ein Dorn im Auge sein mussten. Ihre Judenfeind* liehen Bemerkungen nehmen immer wieder ihren Ausgang von einer aufs gehässigste entstellten Darstellung des Auszugs der Israeliten aus Aegypten. Die orientalischen Griechen werden durch die Erfolge der Makkabäer den Juden gram und ihre Feindseligkeiten steigerten sich, wie Halevy zeigt, seit der Zurücksetzung der Juden durch Herodes im eigenen Lande. Tacitus blühte in den Jahren der grössten politischen Gegnerschaft Roms gegen die Juden. Gern nahm er jede Verleumdung gegen die Staatsfeinde auf. Seine Ausführungen über die Juden, die Sombart kritiklos übernimmt, haben nicht mehr Wert als die Angriffe auf das Deutschtum seitens französischer Schrift* steiler kurz nach dem Krieg 1870/71.