Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 504)
- Language
- German
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386 in der Thora die Quelle der Kraft und des Zusammenstehens ihrer jüdischen Feinde erkannten, boten sie der Welt das bisher unerhörte Schauspiel einer römischen Religionsverfolgung, die mit der ganzen Rücksichtslosigkeit und Härte geführt wurde, welche die Massnahmen des alten Ropi gegen seine Staatsfeinde kennzeichnen. Mit Ausnahme des Kaisers Nerva waren die Imperatoren von Nero bis Hadrian Feinde und Verfolger des Juden Volkes. Antoninus Pius bedeutet den Uebergang zur besseren Behandlung der zu Boden Getretenen und durch ihre politische Ohnmacht unschädlich Gewordenen. Mit Marc Aurel beginnen die zwei Jahrhunderte, während derer man sich im Schatten Roms geborgen fühlte. Mit der Erstarkung des jungen Christentums nahmen dann die Verhältnisse eine total veränderte, für die Juden im Römerreich höchst ungünstige Gestalt an. Auch im arabischen Spanien hörte das vielgerühmte Glück der Juden auf, als fanatische maurische Horden, wie die Almohaden, aus Afrika herbeikamen und die Herrschaft an sich rissen. Nach endgiltiger Besiegung der Mauren hinwieder durch das katholische Königspaar war es allein das rücksichtlos erstrebte Ziel, aus Spanien jede andere Religion verschwinden zu lassen, dem zu lieb man die Juden zur Auswanderung aus dem innig geliebten Vaterland gezwungen hat. Wegen ihrer Treue zur Thora und wegen der Furcht kirchlicher Machthaber, die Bevölkerung könnte im freundschaftlichen Verkehr mit den Juden deren Religion bewundern und lieben •lernen, wurden künstliche Mittel angewandt, um die Juden von Andersgläubigen zu scheiden und sie in deren Augen verächtlich und verwerflich erscheinen zu lassen. Es ist erklärlich, dass in der modernen Zeit versucht wurde, das mittelalterliche Christentum von dem Vorwurf der Judenverfolgungen dadurch etwas zu entlasten, dass man an die vorchristlichen Judenfeinde erinnerte. — Wir verweisen auf das von Sombart einige Male zitierte Schriftchen Stähelins über den Antisemitismus des Altertums, das zu diesem apologetischen Zweck die sporadischen Aeusserungen des Judenhasses bei den Römern und Hellenisten schildert, deren Quelle aber meist in der Politik und bei den Alexandrinern im verletzten Nationalstolz zu suchen ist1). ג) Die Literaten aus Alexandria nehmen in der antisemitischen Bewegung des Altertums den grössten Raum ein. Durch die griechische