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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 503

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 503)
Language
German
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385 : überhand nahmen und sogar ein dem Hofe sehr nahestehender Kaplan Jude geworden war. Die verhängnisvollen Massnahmen InnocenzMII., welche eine Scheidewand zwischen Juden und Christen aufrichteten, sind wieder begründet in der Angst vor der Propaganda der Juden, von der man die zahlreichen Haeretiker der damaligen Zeit beeinflusst glaubte. Ueber dieses Verhältnis schreibt Güdemann im zweiten Buche seiner ״Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der abendländischen Juden“, — dem von Sombart übersehenen, für seine Ermittelungen kaum entbehrlichen neueren Werke — klar und überzeugend. Unwiderleglich lässt es sich in der grossen Mehrzahl der Fälle nachweisen, dass es immer wieder die Geistlichkeit der Staatsreligion war, die den Juden das Leben sauer machte. Einige Beispiele, die Erinnerung an sattsam bekannte Tatsachen dürften genügen. In Arabien lebten die Juden Jahrhunderte hindurch in Eintracht und Frieden mit den anderen Bewohnern des Landes, erst Mohammed befehdete sie, weil sie, wider seine Erwartungen, den Islam nicht annehmen wollten. So wurde ja auch Luther aus einem Freund der Juden ihr Feind, als er sich in der Hoffnung getäuscht sah, sie durch seine Reform der Kirche für dieselbe gewinnen zu können. In den Ländern der toleranten Anhänger des Islam, wie es beispielsweise die Türken sind, lebten die Juden meist unbehelligt, die fanatischen Schiiten hingegen, wie die Perser, doch auch fanatische Sunniten, befehden sie bis zum heutigen Tag. Im Reioh der Parther und Neuperser genossen die babylonischen Juden Ruhe und Frieden, woraus sie dann aufgeschreckt wurden, wenn die, gewöhnlich Magier genannten, Feuerpriester, Chabaren, die Staatsgewalt an sich gerissen hatten, was bekanntlich im Jahrhundert vor dem Aufhören des Sassanidenreiches den Juden schweres Weh brachte. Das alte Rom kannte lange Zeit keinen Judenhass, Cäsar zählt zu den wärmsten Judenfreunden, von denen die Geschichte weiss. Das änderte sich freilich, als grosse Teile des jüdischen Volkes kurz vor dem jüdischen Kriege, der zur Zerstörung des heiligen Tempels führte, Roms politische Gegner geworden waren. Sie hatten nun die grausame Behandlung zu erfahren, die unerbittlich diejenigen traf, welche es gewagt hatten, Rom mit den Waffen in der Hand entgegen zu treten. Als die staatsklugen Römer

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