Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 502)
- Language
- German
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384 Schriften Fromers stark beeinflusst, erhält, ohne dass er es will und in seiner ganzen Tragweite erkennt, ein den Juden feindseliges Gepräge und wird abgesehen davon in vielen wichtigen Punkten irrig und unwahr. Sombart sagt einmal bei dem Kapitel der Hofjuden: der Jude steht neben dem Fürsten, wie Mephisto neben Faust. Dieser Gedanke bildet den Grundton der beiden letzten grossen Abhandlungen des Buches. Es sind fremde, mit dämonischen Eigenschaften begabte Menschen, die das heutige Wirtschaftsleben geschaffen haben, und es ist nur scheinbares Glück, kein wahrer Segen, den solch unheimliche Gewalten bringen können. Sehr schlimm ist es, dass Sombart sich den Satz Fromers: ״Nicht in den Wirtsvölkern liegt der Grund des jüdischen Martyriums, sondern bei den Juden selbst“ in seinen Consequenzen zu eigen macht. Diese famose Lösung des Problems des Judenhasses, lässt Sombart, allen geschiehtliehen Tatsachen zum Trotz, es zunächst nicht anerkennen, dass judenfeindliche Gesetzgebungen den Juden erst auf das Gebiet des Handels und Leihwesens mit Vernachlässigung sonstiger Berufe geführt haben; und dann steht vor seinen Augen ein Jude, der, verleitet durch die Fremdengesetzgebung des Talmuds im Nichtjuden einen minderberechtigten Menschen sieht, auf dessen Recht im Geschäftsverkehr keine Rücksicht zu nehmen sei. Es ist, das sei gleich hier gesagt, absolut unwahr, dass die Juden selbst Veranlasser des Judenhasses gewesen seien durch die Beschränkungen im Verkehr, die ihnen durch das Religionsgesetz auferlegt worden; das Gegenteil ist war. Gerade die Propagandakraft des Judentums und die Beliebtheit und der enge Verkehr der Juden mit Andersgläubigen waren die Ursachen der Zurückdrängung und der häufigen Verfolgungen. Es wird wohl jedermann zugeben müssen, dass die abfälligen Bemerkungen der römischen Satyriker sowie auch die hass durchglühte Ausführung des Tacitus im fünften Buch der Historien gerade durch den Unwillen dieser Schriftsteller über die von Tag zu Tag wachsende Zahl der Römer, die sich dem Judentum anschlossen, veranlasst wurden. Unbestreitbare Tatsache ist es, dass Agobard von Lyon das Feuer des Judenhasses deshalb bei den Franken entzünden wollte, weil viele derselben die Synagogen lieber besuchten als die Kirchen,-weil die Uebertritte zum Judentum