Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 501)
- Language
- German
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383 In einer uns näher liegenden Epoche wird die Ausdehnung des Eflektenmarkts und die Internationalität der Börse dem Hause Rothschild zugeschrieben. Mir und mit mir vielen anderen steht es demgegenüber fest, dass die enormen Kosten der napoleonischen Kriege und das ungefähr gleichzeitige Erwachen des maschinellen Betriebs die Zahl der Schuldverschreibungen ausserordentlich steigern musste; und dass durch die Coalitionskriege die Länder und Völker Europas sich näher kamen, um dann dauernd engere Beziehungen zu einander zu schliessen und so die Internationalität nach vielen Seiten hin zu schaffen. Die Zeitverhältnisse forderten gebieterisch Ansdehnung des Effektenmarktes und Internationalität der Börse. Die Rothschilds verstanden es, der Zeit den Puls zu fühlen; als neue Wirtschaftsgebiete gewünscht wurden, standen sie bereit, das Verlangen zu erfüllen. Sie leiteten das in die Wege, was durch andere an ihrer Stelle, wenn auch vielleicht nicht mit gleicher Solidität und Umsicht, auch geschehen wäre. Juden waren hier, wie so oft, die ersten, welche die neuen Erfordernisse des Wirtschaftslebens erkannten und befriedigten; wären sie nicht gewesen, hätten andere denselben Weg notwendig beschreiten müssen. Der erste Teil des Buches ist, wenn auch seine Lehrsätze nicht immer gesichert sind, in grosszügiger Weise angelegt, die Schilderung ist lebendig und packend. Wir dürfen dem Verfasser dafür als Juden trotz mehrerer recht unfreundlicher Bemerkungen dankbar sein. Hier beherrscht er den Stoff, und man erkennt, dass er, was er hier immer bringt, selbständig beurteilen und gestalten kann. Ganz anders wird das Bild in den beiden anderen Abschnitten, die zusammen etwas mehr als die Hälfte des Buches ausmachen. Bei der Betrachtung der Befähigung der Juden zum Kapitalismus und der Untersuchung, wie jüdisches Wesen entstand, begibt sich der Verfasser auf ein Gebiet, das ihm bis vor kurzem ganz fremd war und bei dessen Behandlung er ganz abhängig ist von den Darstellungen, die ihm gerade in die Hände fallen oder durch seine Ratgeber, die er sich auch nicht mit Sachkenntnis auswählen kann, empfohlen werden. Seine ganze Auffassung des Judentums wird unglücklicherweise durch die