Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 500)
- Language
- German
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382 näischen Halbinsel die Lage am mittelländischen Meere brachte, das bisher allein den Handel mit überseeischen Ländern von den Küsten Vorderasiens und Nordafrikas her vermittelt hatte. Auch Spanien ist nicht von den Juden ״leergepumpt“ worden, ebensowenig wie die Vertreibung der Juden und die stetige Ab- Wanderung der Marannen allein ihm seine wirtschaftliche Steilung genommen haben, ebensowenig auch wie die Juden es darauf abgesehen haben, ihre ehemalige, jetzt feindliche Heimat herabzudrücken. Hier werden wohl wieder die ״Historiker“ ihre Ansicht gut vertreten können, dass die Vertreibung von 800 000 Moriskos unter Philipp III. und dann die Bürgerkriege gelegentlich des Erbfolgekrieges Spaniens wirtschaftlichen Niedergang besiegelt haben. Derselbe finstere Geist, welcher die Juden verjagte, trägt die Schuld an dem Verblühen Spaniens, auch eine geschichtliche Nemesis ist hier nicht zu leugnen. Dass aber die blosse Vertreibung und Auswanderung der Juden das Land so beispiellos geschwächt habe, muss starke Uebertreibung genannt werden. Der Verfasser lebt so im Banne geistvoller Einfälle, dass er über das historisch Gegebene hinwegsieht. Die Be- Beherrschung der Meere ist in diesen vergangenen Zeiten weit mehr als heute Vorbedingung für den Welthandel. Die spanische Armada wird zerstört, Hollands und Englands Seemacht nimmt einen ungeahnten Aufschwung, doch für den Calcül unseres Verfassers existieren nur die Juden. Deutschland blutet durch den dreissigjährigen Krieg aus tausend Wunden, seine Welt- Stellung geht langdauernd verloren — und für das Aufhören der grossen süddeutschen Handelsemporien findet sich kein anderer Grund als das Verschwinden der Juden aus derselben. Die Wahrnehmung, dass hier, wo uns eine Controllenicht schwer wird, der Verfasser seine Phantasie zügellos walten lässt, verdirbt uns die Freude an vielen schönen Dinjjen, die er in seinem Buche zum ersten Male den Juden zuschreibt. Wo wir dem Autor nachgehen können, vermögen wir ihm des öfteren nicht beizupflichten, wie lässt sich unser Misstrauen bannen, wo wir nicht genügend unterrichtet sind, um die Realität der färbenprächtigen Bilder nachzuprüfen, die uns beispielsweise die Juden als fast alleinstehende Bauleute der Wohlfahrt immer reicher werdender Kolonien zeigen?