Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 499)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486281--3433-3489799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
381 recht freuen könnte. Für allzuviel Lob haben wir Jaden den bezeichnenden Volksspruch: ״Die Braut ist mir za schön“. Bei der Lektüre dieses ersten Teils des Buches werden wir das anbehagliche Gefühl nicht los, dass der Sonnenglanz, der über dieser Darstellung liegt, eine Fortsetzung finden wird, die tiefe Schatten zeigt. Auch ich bin überzeugt, dass die Volkswirtschaft unserer Zeit den Juden sehr viel verdankt; ich habe aber nie daran gedacht, ihre gewaltige, weltumspannende Entwicklung in dem Masse den Juden zuzuschreiben, wie es Sombart tat. In all den Punkten, wo nur ein ebenso tüchtiger Forscher auf dem Gebiet des Wirtschaftslebens, wie Sombart es ist, mitsprechen kann, will ich mich nicht erkühnen, dem bewährten Fachmann za entgegnen, auch da, wo der Verfasser mich nicht überzeugt; da jedoch, wo allgemein bekannte geschichtliche Tatsachen besprochen and aasdeutet werden, kann und darf ich meine gegenteilige Ansicht nicht zurückhalten. Der Verfasser selbst fürchtet sich ja, durch die Concentrierung seiner Aufmerksamkeit auf die Jaden einseitig zu werden. Ich glaube einen Fehler der Darstellung darin za sehen, dass wirtschaftliche Verhältnisse, deren Ursachen zweifeilos in den Zeitverhältnissen liegen und die von den Jaden nur richtig ausgenutzt und gefördert wurden, als Werk der Jaden hingestellt werden. Bei einzelnen Städten wie Livorno und Hamburg — Frankfurt schon nicht mehr — kann noch zagegeben werden, dass die Blüte auf der Einwanderung der Jaden beruht, bei Nürnberg und Cöln hängt der Verfall wohl mit dem Wegzug der Juden zusammen. Dass aber die erzwungenen Wanderungen der Juden die Verschiebung des Wirtschaftszentrums von Südeuropa nach Nordeuropa hervorgerafen haben, das ist zum mindesten stark zu bezweifeln. Sehr überlegen stellt sich der Verfasser den bisher unbestrittenen Behauptungen der Historiker gegenüber, dass die Entdeckung des Seeweges nach Indien und die Entfaltung des Handels mit Amerika Frankreich und den Nordseestaaten gegenüber Italien, Spanien und Portugal, Vorteil gebracht habe. ״Als ob der Weg von Genua nach Amerika oder Ostindien nicht derselbe wäre, wie der von Amsterdam oder London oder Hamburg dorthin?“ Ganz recht, die Wegdifferenz hinsichtlich Amerikas und Ostasiens fällt nicht in die Wagschale, dagegen der Verlust der Vorteile, diei Italien und auch der pyre-