Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 498)
- Language
- German
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380 russisch-polnischen Ghetto stammenden, mit sich und der Welt zerfallenen Mannes, der darin verworrene und gehässige Urteile über das eigene Volk vorträgt, wie sie in den berüchtigten Elaboraten der judenfeindlichen Täuflinge sich nicht schlimmer finden. Wir meinen das Buch Dr. J. Fromers ״Das Wesen des Judentums“. Bezeichnend für diesen Schriftsteller ist es, dass er die Schuld an den Judenverfolgungen bei den Juden selbst sucht und Historikern wie Zunz und Grätz vorwirft: ״Mit peinlichster Genauigkeit wird jeder vergossene Blutstropfen registriert, die erduldeten Qualen werden in den grellsten Farben gezeigt, die Völker, die ungefähr die ganze zivilisierte Menschheit darstellen, als Henker und Mörder gebrandmarkt“. Ebenso werden Grätz und Geiger getadelt, dass sie ihr Volk zu verherrlichen suchten. Von den biblischen Büchern finden in seinen Augen nur das Hohelied und das Buch Buth als vollkommene Kunstwerke Gnade. Weil wir Gott für die Wunder und Pracht der Natur danken, sobald wir uns an ihnen ergötzen, ist in seinen Augen dem Juden unbefangener Naturgenuss unmöglich. In der einzig dastehenden Naturschilderung des 104. Psalms stört Fromers Kunstempfinden der bewundernde Ausruf: ״Wie gross sind Deine Werke, 0 Gott“, Der herrliche Segensspruch über die Blütenpracht des Frühlings der doch klar die Freude am Schönen bei den Juden beweist, reizt Fromer zum Tadel. Ich verweile gleich bei Beginn meiner Auseinandersetzung bei diesem im höchsten Grad unsympathischen Buche, weil ich der Ansicht bin, dass Sombart vornehmlich durch diese Lektüre auf den Irrweg geraten ist und es ihm hauptsächlich deshalb trotz seines Strebens nach Objektivität nicht gelingen will, dem Judentum gerecht zu werden. Sombarts Auftakt muss wohl in vieler Juden Ohren als liebliche Melodie erklingen. Wenn man auch weiss, dass das Buch eines Professors vor uns liegt, der dem Kapitalismus nicht allzu wohlwollend gegenübersteht, und wenn auch der Verfasser durch ein in Klammern hinzugefügtes ״kapitalistisch“ da an seine Stellung erinnert, wo von der ״Wohlfahrt“ die Kede ist, welche die gehobene Geldwirtschaft den Ländern brachte, so bleibt doch soviel des Schmeichelhaften für uns Juden übrig, dass man sich mit wenigen Ausnahmen des ersten Teils des Buches ״Die Arbeit der Juden am Aufbau der modernen Volkswirtschaft“