Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 497)
- Language
- German
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379 Juden. Da ist es urplötzlich für viele ein Problem geworden, wie ermöglichten es diese Parias von gestern, dass sie Faktoren wurden, von denen das Glück und der Wohlstand der Länder mit abhängig geworden ist. Ein Gelehrter, Max Weber, hatte den Nachweis zu führen gesucht, warum die Engländer es zu den Königen unter den Kaufleuten der modernen Welt gebracht haben, und den Grund in ihrer Religion, den er den Puritanismus nennt, gefunden. Seine Lorbeeren lassen einen hochbedeutenden Kollegen nicht schlafen, und er bemüht sich, das Problem des Erfolgs der Juden im Erwerbsleben auf ähnliche Weise zu lösen, indem er in der Hauptsache die jüdische Religion sowohl als Grund der Bevorzugung des Kaufmannstandes als auch als das erste Mittel für ihren Erfolg hinstellt. So entstand das Buch Werner Sombarts ״Die Juden und das Wirtschaftsleben1״). Sombart hat es nicht so leicht wie Weber. Die wirtschaftlichen Erfolge der Engländer liegen klar vor aller Augen; es ist nicht nötig, ihren Aufstieg und ihren Glanz den Lesern in Einzelbildern vor Augen zu halten, Geschichte und Wesen des britischen Volkes sind nicht unbekannt, das Religionswesen ist nicht fremd. Wer sich um die Lösung dieses Engländerproblems bemüht, gebietet schon seit langer Zeit über die nötigen Kenntnisse, hat nur zu zeigen, dass er das vorhandene Material beherrscht und die Faktoren in rechte Beziehung zu einander zu setzen weiss. Um dagegen über das Judentum schreiben zu können, muss man es erst wissenschaftlich sich näher bringen. So musste Sombart sich einer ihm neuen und unbekannten Welt zu wenden. — Der Gelehrte hatte an der sich gestellten Aufgabe ein solch vitales Interesse, dass er mehr denn ein Jahr der Er- Forschung der jüdischen Religion und des jüdischen Wesens widmete. — Unglücklicherweise lebte er in Berlin, wo er meist mit modernen, dem innersten Wesen des Judentums entfremdeten Männern verkehrte. Aus Büchern musste er seine Kenntnisse schöpfen, die hier wichtigste, die hebräisch geschriebene Literatur, soweit sie nicht in mehr oder weniger ausreichenden Ueber- Setzungen vorhanden ist, blieb ihm fremd. Zur Einführung in den neuen Kreis diente ihm, wie aus vielen Stellen seines Werkes deutlich wird, ein praetenziöses Sehriftchen eines aus dem נ) Leipzig 1911, Dunker und Humblot.