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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 496

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 496)
Language
German
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Die wirtschaftliche Tüchtigkeit der Juden. Von Rabbiner Dr. Bondi in Mainz. Viele Jahrhunderte hindurch hat man das jüdische Volk von anderen Berufstätigkeiten abgedrängt und ihnen allein den freien, von der Gunst der Machthaber am wenigsten abhängigen Beruf des Händlers für ihre Ernährung und Betätigung übrig gelassen. Welche Aemter immer die Regierenden zu vergeben hatten, vom Richter bis zum Wächter, den Juden waren sie verschlossen. Der Grundbesitz war in den Händen von Feudalherren, denen eine mehr oder weniger versklavte alteingesessene Bevölkerung die landwirtschaftlichen Arbeiten verrichtete, die Handwerker hatten sich zu Zünften zusammengeschlossen und der goldene Boden des Handwerks war den Fremden unbetretbar, auch zum Kriegshandwerk wurden sie nicht zugelassen. Nur den Beruf des Kaufmanns im niederen und höheren Sinne konnte man ihnen nicht versperren; sie mühten sich nun ab, durch den Handel oft unter den ungünstigsten Verhältnissen ihr Brot zu erwerben, manche von ihnen hatten Erfolg und im Laufe der Zeit wurden sie die Fähigsten dieses Standes. Ein auf niedriger Kulturstufe stehendes Volk gibt wenig Gelegenheit für grosszügige kaufmännische Betätigung und sieht deshalb den Händler über die Achsel an, neidet ihm seinen Stand nicht, und ist dann überrascht, wenn der eine oder der andere dieser Händler es zu Vermögen bringt, das ihm dann wieder nicht gegönnt wird und bei Erhebungen missvergnügter Volksmengen oder durch Gewaltakte notleidender oder geldgieriger Fürsten ihm wieder verloren geht. Die Kultur der Völker steigert sich und mit ihr wachsen die Bedürfnisse, die der Kaufmann zu befriedigen hat, der Kaufmannstand wird angesehen und einflussreich; dieser jetzt mitherrschende Stand zählt viele

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