Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 482)
- Language
- German
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364 schreibt. Zu übersetzen wäre danach so : ״So darf nicht ihr erster Mann 1) sie wiedernehmen, wofern er sie fortgeschickt hatte, 2) sie nehmen, um sie sich zum Weibe zu erhalten, nachdem sie mit einem Ehebruch belastet erscheint“. Analogien zu einer solchen Ausbeutung eines Satzteils nach zwei Seiten hin bieten sich zahlreich; so in. M. 6, 10 [חלקם]; IV. M. 5, 18 [הנקי-חנקי}; V. M. 14, 21 [תחננו ואכלה] u. v. a. Und die Classification des Ehemannes als ראשון im Falle der Ehebrecherin bereitet keine Schwierigkeit, da sie nach ihm ja auch noch einem anderen gehört hat. Führt man diese Zweiteilung des Verses (דרש) consequent durch, so ergibt sich in der Tat, dass die Bezeichnung הטמאה nur auf den ehebrecherischen Verkehr, nicht aber auch auf die geschiedene und wiedergeehelichte Frau geprägt ist; behandelt man dagegen den Vers als ein ungeteiltes Ganzes (פשט), so trifft der Vorwurf der טומאה gerade nur die גרושה שנישאת לאחר, während! über סוטה, wenigstens an dieser Stelle nichts ausgesagt würde. Die Frage des R. Jehuda ist demnach folgendermassen zu fassen: Lassen die Chachomim neben der Zweiteilung auch noch den urtgeteilten Satz gelten, entsprechend dem Grundsätze אין מקרא יוצא מידי פשוטו, wonach der דרש wohl über den פשט hinausgehen, ihn aber nicht umstossen darf; oder haben wir es hier mit einer Ausnahme von dieser Regel zu tun, und ist die Zweiteilung allein richtig, die für eine Beziehung der טומאה auf מחזיר נרושתו keinen Raum lässt? Noch ein Wort zu der Stelle Kidduschin 78 a. Es könnte jetzt so scheinen, als ob Abaji und Raba, die das Wort לקחתה mit den nachfolgenden Worten להיות לו לאשה in Verbindung setzeti1, den דרש perhorrescierten. Das trifft aber nicht zu; sie folgen vielmehr der, allerdings nicht unbestrittenen Ansicht (vgl. Kidd. 15 b und Sebach. 24 b), dass מקרא נדרש לפניו ולאחריו. Dieser Auffassung wird man um so eher beipflichten dürfen, als, wie dargetan, das Wort לקחתה ja hier, ähnlich wie die דברים שאין להם הכרע, gleichsam gleitend in der Mitte steht und seine Verbindung nach vorn wie rückwärts aufrechterhalten muss. Gehören also die Worte לקחתה להיות לו לאשה in erster Reihe zum zweiten Satzteil, so ist die Incisur doch nicht scharf genug, um eine völlige Loslösung der Worteלהיות לו לאשה von ihrem regierenden Verbum (לא יוכל לקחתה) zu erzwingen. Bezeichnend aber ist, dass רש״י (z. St. s. v. ומודה