Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 477)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3486266-3486281--3411-3489777- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
359 Tergleichsquotient, so nebensächlich, dass ans ihm keine Schlüsse gezogen und auf ihm keine Erkenntnisse aufgebaut werden dürfen. Diese Auffassung ist leicht verständlich, wenn man z. B. an die zahlreichen Anthropomorphismen der Bibel denkt, in denen, unbestritten, das Bild lediglich Vergleichungszwecken zu dienen hat, eine Analyse seiner Bestandteile und Züge aber nicht verträgt. Mar dagegen vertritt die Lehre, dass man den Eigensinn des Bibelwortes ebenfalls urgieren und ein Bild, das die Bibel gebraucht, nicht nur in den Eigenschaften, die der Vergleichungsabsicht dienen, sondern auch in dem Zusammenhänge, den es als selbstständiges Gedankengebilde beansprucht, verstehen und bewerten müsse. Das fordere der Lehrsatz, dass ein Bibelvers nie aus dem Bereich des פשט ganz heraustrete, sondern stets erst über den פשט hinweg zum דרש fortschreiten dürfe. Diese Erkenntnis in dieser Form enthält für R. K. das novum, dass die auf den דרש gestützte Halachah unter Umständen!durch den פשט ihre Correktur erleiden könne, keineswegs aber ist die Existenz des פשט neben dem דרש diese neue Erkenntnis, noch auch besagt der Satz אמימ״ם, dass der פשט dem דרש voranzugehen habe. B. Complizierter liegt der Fall in Jebamoth 11b. Der Gang der Gemarah ist dort folgender: In einer Baraitha streiten R. Jose b. Cheifar und die Chachomim. — R. Jose (im Namen des R. Elasar) lehrt, dass das Verbot von מהדר נרושתד משניסת, seine geschiedene Frau abermals zu heiraten, wenn sie inzwischen eines anderen Mannes Weib gewesen ist, nur dann gilt, wenn sie wirklich verheiratet war (מן הנשואץ), nicht aber, wenn sie dem zweiten Manne nur angetraut war (מן האירוסין); denn es heisse in der Thorah an der betreffenden Stelle אחרי אשר הוטמאה und der Ausdruck טומאה lasse sich nur auf בעילה beziehen. Die Chachomim dagegen lehren, dass in beiden Fällen die Wiederheirat verboten sei; ״und worauf wende ich die Worte אהרי הוטמאה an? Diese Worte sollen hinzufügend das Verbot, eine Ehebrecherin weiter als Weib zu behalten (לרבות סוטה שנסתרה) aussprechen“. Darauf richtet R. Jehuda folgende Frage an R. Schescheth: ״Wenn jemand widerrechtlich seine geschiedene Frau, nachdem sie einen anderen Mann gehei - ratet hatte, wiedergeheiratet hat und stirbt unter Zurücklassung