Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 473)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3486266-3486281--3407-3489773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Methodologie der talmudischen Bibelexegese. ui*). Von Dr. Ed. Biberfeld in Berlin. Der Grundsatz: אץ מקרא יוצא מידי פשוטו, der in unserem Talmud an drei Stellen (Sabbath 63 a und Jebamoth 11b und 24 a) ausgesprochen wird, ist der einzige methodologische Lehrsatz, der in unserer Gemarah das Verhältnis der beiden Auslegungsarten des Bibelwortes zu einander zum Gegenstand einer Untersuchung macht. Schon in dieser Tatsache liegt seine Bedeutung und sie begründet die Wichtigkeit seines richtigen Verständnisses. Nun dünkt diese Forderung leicht erfüllt; der Sinn des Satzes erscheint ja so ungemein eindeutig und einfach und sein Verständnis sich ganz von selbst dahin zu ergeben, dass der פשט dem דרש nicht nur nicht zu weichen brauche, sondern neben ihm und sogar vor ihm seine Stellung stets zu behaupten habe. Mag immerhin — so ist wohl die allgemeine Auffassung von dem Satze — der דרש seine, im Wort sinn nicht begründeten Ideengänge nach eigenen Gesetzen einschlagen: dem פשט verbleibt darum doch die souveräne Herrschaft im Reiche des Bibelwortes, aus der er durch keine noch so gut beglaubigte drascliische Ausdeutung gestürzt werden kann. Schon im vorigen Teil dieser Abhandlung ist von mir (Jahrbuch VI, S. 248) die Richtigkeit dieser Auffassung angezweifelt und eine andere kurz skizziert worden; und es soll Aufgabe der folgenden Ausführungen sein, dafür die Begründung zu liefern. Dazu soll vor allem erst einmal dargetan werden, dass der Sinn des Satzes keineswegs so obenauf liegen kann, wie immer angenommen wird. Das beweist die Stelle Sabbath 63a,wo es heisst: אמר ד *) Vgl. Jahrbuch I, 224 ff. und VI, 243 ff.