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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 436

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 436)
Language
German
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Zur Charakteristik und Biographie des R. Scherira Gaon, Von Dr. B. Lewin. I. Mit dem Erlöschen des Gaonats, dessen Sonne beinahe eirn halbes Jahrtausend am Horizonte der gesamten jüdischen Diaspora geleuchtet hatte, verlor das Judentum sein geistiges Zentrum,, und endete in Babylonien die Kette der mündlichen lieberiieferung, welche sich fast zwei Jahrtausende seit der Zeit, ״da Jojachin und mit ihm das Sanhedrin ins Exil gegangen war“, um ganz Israel geschlungen hatte. Für den Abschluss jener grossen Epoche bestimmte die Vorsehung R. Scherira und dessen Sohn R. Hai. Diese beiden grossen Männer, die ״der Zeit nach die letzten, an Bedeutung die ersten“ waren, Hessen durch den Glanz ihrer Lehre und Weisheit die untergehende Sonne wie in einem herrlichen Abendschimmer erstrahlen und warfen durch die Traditionen, die sie von ihren fast ein Jahrtausend zurückreichenden Vorgängern besassen, einen Reflex über jene grosse Vergangeoheit in Babylonien, wo die mündliche Ueberlieferung sich immer fortgepflanzt und entwickelt hatte. Ähnlich der politischen Entwickelung, die wir damals in der islamitischen Welt wahrnehmen, da alle einzelnen Länder und Statthalter mit aller Kraft das Joch des Kalifats von sich abznschütteln und politische Selbständigkeit zu erlangen strebten, wiederholte sich dieselbe Bewegung im kleinen und in geistiger Beziehung auch innerhalb der jüdischen Gesamtheit gegenüber der Centrale des Gaonats. Die Bedeutung dieses einzigen geistigen Mittelpunktes des Judentums, dem sich alles zuwandte, war im Schwinden begriffen; denn das Amt des Exilarchen, welches nach aussen hin alle Juden Babyloniens unter einem Oberhaupte vereinigte,, hatte bereits nach dem Tode des David ben Sackai, des Gegners*

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