Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 435)
- Language
- German
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317 Richtig’ ist, dass dieses Buch den Kampf der pessimistischen mnd der optimistischen Lebensauffassung uns vor Augen führt und dass trotz energischer pessimistischer Anwandlungen des Verfassers *der Optimismus siegt, der den Pessimismus durch die Betonung der übersinnlichen Faktoren überwindet. Diese Gegensätzlichkeit der Auffassung gehört zu den eigenartigen Schicksalen unseres Buches. Oder wäre es nicht eigenartig, wenn Heinrich Heine das Buch Koheleth, ״das Hohelied der Skepsis“ nennt, während im Gegensätze hiezu Franz Delitzsch von ihm als dem ״Hohelied der Gottesfurcht“ spricht? Und wiederum können wir sagen, dass beide Urteile ebenso richtig und ebenso falsch sind. Koheleth ist eben das erschütternde Drama des Zweifels, des siegreichen Zweifels, das Drama des Kampfes zwischen Erfahrung und Glauben. Wie immer aber das Buch aufgefasst wird, stets werden wir dem Urteile des französischen Gelehrten Renan beipflichten, dass Koheleth ist: ״un livre charmant“, ein entzückendes Buch, ein liebenswürdiges und liebenswertes Buch; ein Buch, von dem er weiterhin sagt: ״nous l’aimons, car il a vraiment touchö toutes nos douleurs“.