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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 433

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 433)
Language
German
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315 Male weiss es auch Dein Herz, dass Du anderen gellacht hast‘ (VII, 21, 22). Der Weisheit redet unser Philosoph besonders das Wort. Ihren veredelnden Charakter spricht er in den Worten aus: 5,Wer wäre der Weise und wer kännte die Deutung der Sache: Die Weisheit des Menschen lässt sein Antlitz leuchten und die Starre seines Angesichts wird verändert“? (VIII, 1). Ein Weiser kann durch seine Weisheit eine ganze Stadt erretten, was die lärmenden, grosssprecherischen 10 Herrscher nicht fertig brachten (VII, 19; IX, 13—16). Es mag immerhin sein, dass Koheleth hier auf einen selbsterlebten tatsächlichen Fall anspielt. Trotzdem ist die tiefsinnige Erklärung der Weisen nicht abzulehnen, dass die belagerte Stadt der menschliche Körper, die 10 Herrscher die 10 egoistischen Organe der Sinnlichkeit sind und unter dem die Stadt rettenden armen Mann die der Vernunft zugängliche Stimme des Guten in der Menschenbrust verstanden werden muss. Freilich, meint Koheleth bedauernd, wird die Weisheit nicht immer gehört. Ganz besonders hütet uns die Weisheit vor Fehlern gegenüber den Herrschenden. Sie regt zur gewissenhaften Pflichterfüllung an und tröstet bei einer schlimmen Kegierung durch den Gedanken, dass bei dem ewigen Wechsel in der Welt auch die Bosheit der Herrscher ihr Ende findet; denn es gibt Gewalten, denen auch sie nicht entrinnen können (VIH, 2—8.) Die Weisheit ist die Mutter der Vorsicht: ״Auch in Deinen Gedanken fluche dem König nicht und in Deinem Schlaf gemach verwünsche nicht den Beichen; denn der Vogel des Himmels trägt die Stimme weiter, der Geflügelte verrät das Wort“ (X, 20). Weisheit ersetzt und erspart Kraft und Anstrengung (X, 10). Wiederholt stellt Koheleth die Weisheit ins rechte Licht durch Beleuchtung der Abgeschmacktheit des Toren, der trotz allen Wortschwalls die erwartete Antwort schuldig bleibt (X, 12—15). Weisheit lehrt uns auch das rechte Verhalten Gott gegenüber; sie hütet uns im Bewusstsein unserer Schwäche vor Aufregung und Trotz gegen Gott (VI, 10). Sie lehrt uns Gehorsam und schützt uns vor den Fehlern der Toren, die in Häufung von Gebeten, in der Menge der Opfer und der Fülle der Gelübde sich

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