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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 432

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 432)
Language
German
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314 Güter nicht zu leugnen ist. Die Form, in der er uns seine* Weisheit bietet, ist hier immer die: ״Besser ist das als das“. Wir haben hier also eine praktische Abschätzung des Wertesder einzelnen Lebensinhalte und Lebensgüter. ״Besser ist ein guter Name als gutes Oel“ (VII, 1). Hier gibt Koheleth bei der Wahl zwischen den greifbaren, realen Gütern einerseits und den geistigen und seelischen Potenzen« andererseits den Vorzug den idealen Gütern des Lebens. Er ist also kein Materialist, kein Herold des sinnlichen Genusses, kein Epikuräer. Bei der Wahl zwischen Oberflächlichkeit und Ernsü greift unser Philosoph zum Ernst. ״Es ist besser in das Trauerhaus zu gehen, als in das Haus des Gelages; denn da es das Ende aller Menschen ist, nimmt es sich der Lebende zu Herzen‘5 (VII, 2). Der Weise wird darum eher im Hause der Trauer anzutreffen sein, während der Toren Sinn ganz auf das Haus des Gastmahls, des Gelages gerichtet ist (VII, 4). Alle diese Sätze zeigen uns, dass Koheleth, wenn er den Lebensgenuss empfiehlt, nicht etwa dem Leichtsinn der oberflächlichen Lebensauffassung das Wort reden wollte. Sie zeigen uns aber auch, dass der Autor solcher Sätze doch nicht so gering Y0m Leben denken konnte, wie der philosophische Pessimist es tut oder auch wie seine eigenen schmerzgeborenen Aeusserungen, die düsteren׳ Kinder augenblicklicher Stimmung, es zu tun scheinen. Wer das Leben endgiltig hasst, gibt nicht Ratschläge es zu gestalten. Und wie herrliche Ratschläge gibt er uns! ״Es ist besser, Scheltworte der Weisen anzuhören, als ein Mann zu sein, der Lobgesänge der Toren vernimmt“ (VII, 5). Er mahnt zur Gelassenheit und Demut, warnt vor Zorn und Aufregung. ״Besser ist Langmut, als Hochmut“ (VII, 8). ״Sei nicht übereilt in deinem Gemüte zu zürnen; denn der Zorn ruht in dem Schosse der Toren“ (VII, 9). Koheleth mahnt zur Sanftmut, zur Nachsicht im Urteil, zur Klugheit und Versöhnlichkeit, zumal im Bewußtsein, dass wir selber oft genug uns von Sünde nicht frei wissen. ״Auch sollst Du nicht auf alle Worte, die sie sprechen, Dein Herz richten, damit Du nicht Deinen Knecht Dir fluchen hörst; denn gar viele

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