Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 431)
- Language
- German
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313 sinnlosen Uebermass geschützt habe. Er hat aber die Lust überhaupt nicht als einen befriedigenden Lebenszweck und Lebensinhalt zu erkennen vermocht; sie ist ihm eitel. Wohl aber ist er überzeugt, dass bei der allgemeinen Ungewissheit des Lebens die Freude am Dasein, das ruhige Gemessen des Angen• blicks ein relatives Glück bedeute. Freilich die Fähigkeit dazn ־beruht gleichfalls auf einer Gabe Gottes, die nicht jedem zu teil wird. Auch darf die Freude nicht ausarten, sie soll geleitet und reguliert werden von dem Gedanken des göttlichen Gerichts und des göttlichen Wohlgefallens. ״Geh, iss in Freuden Dein Brot, trinke wohlgemuten Herzens Deinen Wein, wenn Gott bereits Wohlgefallen hat an Deinen Handlungen“ (IX, 7). ״Freue Dich Jüngling Deiner Jugend, und es tue sich Dein Herz gütlich im Frührot Deines Lebens, gehe in den Wegen Deines Herzens; wisse aber, dass bei allem dem Dich Gott ins Gericht einführen wird! Entferne den Kummer aus Deinem Herzen, das Leid von Deinem Körper; denn auch die Jugend und des Lebens Morgenröte ist eitel“ (XI, 9 und [10). Und gedenke Deines Schöpfers in den Tagen Deiner Frische, ehe die Tage des Bösen kommen und Jahre herangelangen, von denen Du sprichst, ich habe keinen Gefallen an ihnen“ (XH, 1). Ganz im Sinne solcher Mahnung, solcher Auffassung vom Genuss spricht Koheleth die Ueberzeugung aus: ״Und ich habe gesehen, das es nichts Besseres gibt, als das, dass sich der Mensch seiner Handlungen freut“ (III, 22). Genuss ist recht, wenn er vor Gott bestehen kann, Freude ist empfehlenswert, wenn sie von dem Bewusstsein unseres Wertes und unserer Bewährung in jedem Lebensalter getragen ist. ״Am Morgen säe Deinen Samen, und auch am Abend lasse Deine Hand nicht sinken; denn Du weiss nicht, was gelingen wird, das oder das, oder ob beide gleichmässig gut sind“ (XI, 0). Ein absolutes Gut, ein absolutes Glück hat Koheleth bei seinen theoretischen Spekulationen herauszufinden nicht vermocht. Er spricht das in den Worten aus: ״Wer weiss, was gut ist für den Menschen in der Zahl der Tage des Lebens seiner Nichtigkeit, die er hinbringt wie den Schatten?“ (VI, 12). Indem er nunmehr aber das Leben praktisch auffasst, ^praktisch betrachtet, erkennt er, dass das Vorhandensein relativer