Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 430)
- Language
- German
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312 Dieser Satz kann in solch apodiktischer Form seine Geltung nur haben, ״ כשהוא מראשיתו טובwenn sie von Anfang an gut war“, wie Rabbi Akiba richtig bemerkt. Demgemäss spricht sich hier ein Zutrauen zu dem Fortschritt des als gut aus der Hand Gottes hervorgegangenen Menschengeschlechts aus, das unmittelbar im Anschluss an diesen Satz seinen prägnanten Ausdruck findet in dem vielzitierten Wort: ״Sprich nicht : was war denn, dass die früheren Tage besser waren, als diese; denn nicht aus Weisheit fragst Du das“ <vn, 10). Dieser Optimismus, dieses Vertrauen auf das Menschengeschlecht, seine Entwicklung und Zukunft, diese schroffe Ab- Weisung des laudator temporis acti ist vielsagend, bezeichnend und jedenfalls dem Geiste der Thora entsprechend. Wir haben aus diesen Nachweisen erkannt, das Koheleth in seinen theoretischen Spekulationen über Welt und Leben trotz, aller anfänglichen Skepsis und trotz vorübergehender pessimistischer Anwandlungen tatsächlich schliesslich beim Optimismus der Welt- und Lebensanschauung anlangt. Noch mehr drängt sich uns das auf, wenn wir nunmehr den praktischen Philosophen vernehmen, der, weit entfernt, das Leben zu verneinen und als nichtig bei Seite zu werfen, uns wertvolle Ratschläge gibt, um dasselbe anzubauen und glücklich zu gestalten. Dieser Teil ist sicher der wohltuendste des ganzen» Buches. Er enthält die herrlichste Spruchweisheit. Hier kann , nur eine kleine Auslese dargeboten werden. Mitten in den Ausbrüchen seiner pessimistischen An- Wandlungen, die ihn ja, wie wir sahen, zu einer Verurteilung des Lebens führten, empfiehlt Koheleth immer wieder die Freude,- den Genuss. Das stimmt natürlich nicht zu einem ernsten philosophischen Pessimismus. Das Axiom und die Konsequenz des Pessimismus lautet anders. Indessen ist Koheleth durchaus kein Epikuräer, der den Genuss um jeden Preis auf seine Lebensfahne schreibt. Selbst als er, um das Unbefriedigende der Betrachtung der Welt, ihres Laufes und Wechsels von sich abzuschütteln, der Lust und dem Vergnügen sich zu wendet, rühmt er, dass ״ihm seine Weisheit dabei verblieb“ und ihn vor einem.