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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 429

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 429)
Language
German
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311 *er drückt das Bedauern aus, dass der Mensch vermöge seiner Vernunft die Schönheit der Welt nicht von Anfang bis zu Ende •ergründen kann. Diesem Satz schliesst sich alsbald ein anderer an, der nahezu dasselbe sagt: ״Ich weiss es, alles, was Gott schafft, das wird ewig sein; da lässt sich nichts hinzufügen und nichts hinwegnehmen. Gott aber hat es geschaffen, damit sie vor ihm Respekt gewinnen. Was war, bereits ist es wieder und was sein wird, das war bereits; Gott aber sucht auf und hält fest das Verdrängte6״ (III, 14, 15). Dieser Satz lehrt uns die Fortdauer des Welt״ bestandes nach Gottes Willen und Gesetzen, ihre tadellose Ge״ staltung, die keinem Menschen eine Aenderung gestattet, die Allmacht Gottes, der sie geschaffen, die Weisheit und Allwissenheit Gottes, die bei dem Koheleth doch besonders betrübenden Wechsel das Gesetz im Auge behält. Die Welt ist also kein Stümperwerk und kein bankerottes Geschäft, wie uns der Pessimismus glauben machen will. Vielmehr ist sie ein Werk der Allmacht und Weisheit, zu der wir Vertrauen besitzen dürfen. Denselben Optimismus bezüglich der Welt lehrt uns der Satz: ״Am Tag des Glücks sei wohlgemut und am Tage des Unglücks sei nachdenklich; auch das hat Gott, das eine dem anderen entsprechend, eingerichtet in einer Weise, dass der Mensch nichts hinter ihm her (auszusetzen) fände“ (VII, 14). Im Zusammenhang mit diesem Satz ist uns auch das unmittelbar vorangehende oftmals missverstandene Wort klar: ״Achte auf das Werk Gottes; denn wer könnte richten, was er gekrümmt hat?“ (VII, 13). Das Wort will sicher nichts anderes sagen, als dass auch das Krumme, sagen wir einmal ״das Übel“, m der Welt planvoll ist und nach Gottes Willen an seinem Platze steht. Der Satz ist also eine Theodicee. Unverkennbar ist die optimistische Auffassung von Leben und Mensch, die beide Schöpfungen Gottes sind, wenn wir folgende Sätze betrachten: ״Nur achte darauf, was ich gefunden habe, Gott hat den Menschen gerade geschaffen“ (VII, 29). ״Besser ist das Ende, d. h. die spätere Entwickelung einer;Sache, als ihr Anfang“ (VII, 8).

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