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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 428

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 428)
Language
German
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310 Hier sind 3 Gedanken zu unterscheiden. Erstens das Zugeständnis, dass Gott eine schöne Welt geschaffen bat. Das ist ein Ausdruck des Optimismus im allgemeinen. Ganz besonders lobt aber Koheleth, dass Gott die Welt oder die Ewigkeit — עלם bedeutet ja beides! — dem Menschen ins Herz gelegt hat. Das heisst doch wohl nichts anderes, als dass der Mensch durch göttliche Einrichtung nach Ewigkeit strebt, bemüht ist, über das bruchstückartige Erkennen hinaus zu kommen und die Ewigkeit mit seinem Wesen zu umspannen. üebersetzen wir עלם mit ״Welt“, so nehmen wir die von Aben Esra im Namen älterer Exegeten gebrachte Erklärung an, dass die Lust nach der Welt, die Freude an der Welt, das Streben und Vermögen, die Welt zu gemessen, eine von Gott der menschliehen Seele gewährte Fähigkeit ist. Allbekannt ist die Deutung des Talmuds, wonach dieser Konsonanten - Komplex in anderer Punktation auf העלם hinweise: ״eine Verdunkelung hat Gott dem Menschen ins Herz gelegt“, womit gesagt sein soll, dass die Ungewissheit des Todestags, die Gott gewollt hat, des Menschen grösstes Glück und die Garantie für den Bestand der menschlichen Gesellschaft bedeutet, da sonst die Menschheit zu streben und zu arbeiten aufhören würde und der Zusammenhang der Geschlechter gefährdet wäre. Der letztere Gedanke ergibt sich auch, wenn wir nach einer anderen talmudischen Erklärung en ״ העלםdie Kinder“ die Liebe zu den Kindern, für die die Eltern selbstlos arbeiten, denken. Akzeptieren wir die Erklärung ״ העלםeine Verdunkelung“, so haben wir eine Antithese zu einem anderen Satz Koheleths, in welchem er noch in einer Anwandlung des Weltschmerzes die Ungewissheit des Todestages bedauert: ״Auch kennt der Mensch nicht seine Zeit, wie Fische, die in einem schlimmen Netz gepackt werden, wie Vögel, die gefangen werden in der Schlinge, so werden gefangen die Menschenkinder zur Zeit des Unglücks, wenn es sie plötzlich überfällt“ (IX, 12). Wie immer wir also diesen Satz erklären, er ist der Zeuge eines gesunden und starken Optimismus. Nur der letzte Teil, der dritte Gedanke des Satzes, ist resigniert, ist pessimistisch;

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