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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 427

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 427)
Language
German
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309 die Philosophie der Vernunft harmonisch zusammen mit der Stirnmung des Glaubens: ״Der Schlusssatz, aus dem alles herausgehört wird, lautet: ״Fürchte Gott und befolge seine Gebote! Denn das ist der ganze Mensch!“ Das ist des Menschen ganze Bestimmung. Indessen war Koheleth mit dem Leben nicht nur um deswillen unzufrieden, weil Tugend und Glück in einem schreienden Miss- Verhältnis stehen, sondern vor allem deshalb, weil es ihm in eudämonologischer Beziehung nicht genügen konnte. Wir haben gehört, dass er das Leben, das ihn an und für sich nicht befriedigte, das ihn wegen der schreienden Ungerechtigkeiten der Menschen direkt anwiderte, in einer Weise hasste, dass er es aussprach, das Nichtsein ist dem Sein vorzuziehen. Auch diese Stimmung und Anschauung ist nur eine vorübergehende. Wenn er spricht: ״Wer noch verbunden ist mit allen Lebenden, der hat Zuversicht; denn dem lebenden Hund ist es besser, als dem toten Löwen“ (IX, 4), so ist dabei allerdings dem ganzen Zusammenhang nach das so zu erklären, dass er glaubt, mit dem Tod ist alles aus, dem Lebenden aber kann immer noch ein Glück beschieden sein. Der Satz ist noch in der Stirnmung des gährenden Zweifels gesprochen. Allein auch in dieser Form und bei diesen Voraussetzungen, selbst bei der Belativität des Urteils ist dieser Satz schon nicht mehr pessimistisch in dem landläufigen philosophischen Sinn. Koheleth gesteht dem Leben auch hier einen relativen Wert zu, jedenfalls einen grösseren, als dem Nichtsein. Viel absoluter und positiver lautet schon der Satz: ״Süss ist das Licht und gut ist es für die Augen, die Sonne zu schauen!“ (XI, 7). Indessen ist das Menschenleben an und für sich ja nur ein Ausschnitt aus dem grossen Weltganzen. Was lehrt Koheleth aber bezüglich der Welt? Zu welchen Zugeständnissen sieht er sich mitten in seinen intellektuellen Zweifeln gezwungen? Sie zeigen uns, dass Koheleth weder mit der Welt noch mit dem Leben ganz unzufrieden ist. ״Alles hat Gott schön geschaffen zu seiner Zeit, auch die Ewigkeit [oder auch die Welt] hat er ihm ins Herz gelegt, ohne dass aber der Mensch das Werk, das Gott geschaffen hat, zu finden vermöchte von Anfang bis zu Ende“ (III, 11). Jahrbuch J. L. G. VIII. 20

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