Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 424)
- Language
- German
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306 *erlebt und kommen jetzt zu seinen Resultaten. Wir haben seine Zweifel mitgefühlt und nehmen jetzt teil an der Klarheit, zu der er sich aus seinen Zweifeln durchgerungen hat. Wir sahen, dass den meisten Schmerz Koheleth die Beebachtung der Ungerechtigkeit im Leben, das Missverhältnis;zwischen Tugend und Glück bereitet, dass er Sätze gesprochen hat, die ihn zum Zweifler an den höchsten Wahrheiten der Religion stempelten. Und doch ist er schliesslich von der Tat- Sache eines endlichen göttlichen Gerichts überzeugt, ist überzeugt vor allem davon, dass es gut nur den Guten gehen könne. Wir wollen eine sehr lehrreiche diesbezügliche Stelle wörtlich anführen: ״Ich habe gesehen, dass Frevler bestattet wurden, während andere (Gerechte nämlich) kamen und von der Stätte der Heiligkeit (ins Exil) weg ziehen mussten, dass sie vergessen wurden in der Stadt, wo sie redlich gehandelt hatten (also wieder ein Widerspruch zwischen Frömmigkeit und Glück); auch das ist eine Nichtigkeit. Und weil sich nicht rasch vollzieht das Urteil dieser Handlungsweise des Bösen, darum ist das Herz der Menschenkinder voll, Böses zu tun. Wenn auch der Frevler hundertfach Böses tut und man ihm lange zuwartet, wahrlich so weiss ich doch, dass es gut nur gehen wird den Gottesfürchtigen, ,die sich vor ihm fürchten. Und gut wird es nicht gehen dem Frevler, mag er seine Tage auch lange hinziehen, wie ein Schatten, weil er sich nicht vor Gott fürchtet“ (VIII, 10 — 13). Koheleth ist also überzeugt, dass es schliesslich einen Ausgleich gibt; nur dass er so lange auf sich warten lässt, betrachtet er als einen Mangel und als eine Gefahr. Er ist fest überzeugt, dass es nur dem Guten gut gehen kann, dem er an anderer Stelle zuruft: ,,Gehe hin, iss in Freuden Dein Brot und trinke wohlgemuten Herzens Deinen Wein; denn bereits hat Gott Wohlgefallen an Deinen Handlungen“ (IX, 7). Und diese seine Ueberzeugung gründet sich auf die weitere Zuversicht, mit der .er sein Buch abschliesst: ״Wahrlich jede Tat bringt Gott ins Oericht, alles Geheime, ob es gut oder böse ist“ (XII, 14). Nun könnte man meinen, dass es sich um einen Ausgleich im Hienieden allein handelt, der immerhin einmal, wenn auch spät, stattfindet. Dass Koheleth damit sich aber nicht zufrieden gibt, zeigt uns der Satz, den wir schon zitiert haben, der Satz, den