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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 423

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 423)
Language
German
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305 möchten? Das ist nicht der Fall. Vor solcher Konsequenz behütet ihn schon sein fester Gottesglanbe, seine üeberzeugung, dass Gott die Welt schön, den Menschen gerade geschaffen hat; dass Gott in dem Wechsel der Erscheinungen, der uns Menschen ermüdet, weil wir ihn nicht vernunftgemäss ergründen können, das Gesetz erstrebt, d. h. dass Gott teleologisch, nach vernünftigen Zwecken wirkt. Der Pessimismus des Koheleth führt nicht zur Weltverneinung, sondern zur Weltbeherrschung. Wohl weiss Koheleth nicht, worin das absolute Gute des Lebens gelegen ist. Sagt er doch: ״Wer weiss, was gut ist für den Menschen im Leben während der Zahl der Tage des Lebens seiner Nichtigkeit, die er hinbringt wie ein Schatten?a (VI, 12). Aber er anerkennt, dass es wenigstens relative Güter gibt. Koheleth stellt sich uns als praktischer Philosoph dar, der Auf- Schlüsse gibt, was je von zwei Extremen im Leben besser ist. Koheleth gibt den Weg an, den wir zu gehen haben, um zu leben. Er verneint das Leben nicht für sich und nicht für andere. Der philosophische Pessimist würde zu solcher Konzession nicht bereit sein. Koheleth will das Leben beherrschen; das ist die praktische üeberwindung seiner pessimistischen Anwandlungen. Wir wissen, dass ihm besonderen Schmerz die Tatsache bereitet, dass er zu viel auf den Glauben angewiesen ist und nicht mit seiner Vernunft die Eätsel des Lebens zu lösen vermag. Auch dieser Pessimismus wird überwunden. Koheleth verlangt;Resignation, ein Sichbescheiden, ein Sichergeben in die Unabänderlichkeit dieser Tatsache. Aber auch theoretisch, oder sagen wir dogmatisch, wird der Pessimismus besiegt, und zwar durch den Hinweis auf das Gericht Gottes, auf eine übersinnliche, ausgleichende Gerechtigkeit, durch die Ueberzeugung, dass hier auf Erden nicht aller Tage Abend ist, dass das Leben im Hienieden sich nicht erschöpft und nicht zum Abschluss kommt. Was wir hier behauptet haben, müssen wir auch beweisen. Es ist überraschend, nunmehr Sätze zu vernehmen, die den früheren geradezu ins Gesicht schlagen. Und doch ist es nicht überraschend; denn wir haben die Seelenkämpfe Koheleths mit-

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