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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 420

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 420)
Language
German
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302 Die Frau als solche schätzt er hoch. Nur von der koketten, ränkesüchtigen, auf Fang ausgehenden Frau behauptet er, dass sie schlimmer sei, als der Tod (V, 26). Er kennt kein grösseres Glück, keine höhere Befriedigung bei dem allgemein düsteren Charakter des Lebens als die Verbindung mit dem Weibe, das man liebt. So sagt er: ״Erwähle Dir das Leben mit der Frau, die Du liebst, alle Tage des Lebens Deiner Nichtigkeit, die Dir Gott gegeben hat alle Tage Deiner Nichtigkeit; denn das ist Dein Anteil am Leben und Deiner Mühe, mit der Du Dich mühest unter der Sonne“ (IX, 9). Ganz sicher ist auch bei dem Satze (IV, 9—12): ״Zwei sind besser als der eine; denn sie haben einen guten Lohn bei ihrer Mühe“, an die Verbindung mit dem Weibe, an die Ehe gedacht, wenn auch dort im allgemeinen bewiesen werden soll, dass Vereinigung, schon aus Nützlichkeitsgründen, besser ist, als Vereinsamung. Wir sind mit den letzten Ausführungen von der Richtlinie unserer Darstellung abgeschweift; denn ein Teil derselben gehört eigentlich schon dem zweiten, mehr praktischen Teil zu. Wir wollten aber in diesem Zusammenhang einer weit verbreiteten falschen Auslegung entgegentreten. Jedenfalls haben wir gesehen, dass die die Wahrheit vergewaltigende Scheinkultur, das gekünstelte, ausgeklügelte Wesen, das den von der Gottheit gerade geschaffenen Menschen entstellt und dadurch den Verkehr erschwert, ja vergiftet, Koheleth’s Urteil über Welt, Leben und Mensch pessimistisch stimmt, ihn zu lauten Klagen veranlasst. Das Leben im einzelnen wird in den meisten Fällen beeinflusst, ja es erhält seinen speziellen Charakter durch die Auffassung, die der Mensch von den Erdengütern hat, durch die Art und Weise, wie er sie verwendet. Die Beobachtungen, die Koheleth nach dieser Richtung im Leben angestellt hat, stimmen ihn gleichfalls trübe. Wenn Menschen reich gesegnet sind an Erdengütern, wenn sie alles besitzen, was sie wünschen, wenn ihnen ein hohes Alter zuteil wird, aber die Gottheit hat ihnen nicht die Fähigkeit und die Möglichkeit gegeben, ihre Güter zu geni essen, dann sind sie

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