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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1911-01-01 · VIII. 1910 - 5671 (1911) · page 418

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VIII. 1910 - 5671 (1911)
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 418)
Language
German
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300 Verzweiflung. Wer das Leben hasst, der wird nicht raten, es zu gemessen, sich über irgend etwas in der Welt zu freuen. Koheleth bleibt aber auch in diesem Zusammenhänge bei seinem immer wiederkehrenden Urteil, das es für den Menschen angesichts aller leidigen Erscheinungen in Welt und Leben nichts Besseres gibt, als sich zu freuen, wofern er es kann, wofern es Gott ihm gewährt, und Gutes zu tun (III, 12), d. h. Freude zu empfinden an seinen Werken, seiner Mühe (III, 23). Koheleth scheidet zwischen der Freude am Genuss und der Freude an seinen Handlungen. Das ist wichtig zu betonen. Noch mehr Quellen des Lebensverdrusses gibt es für Koheleth. Bedrückung und Vergewaltigung herrscht im Leben und als Folge davon Tränen und Seufzen; selbst am Orte des Gerichts herrscht der Frevel und die Ungerechtigkeit. Allerdings ist es traurig, das alles mit ansehen zu müssen und verständlich, wenn man angesichts dieses Unrechts das Leben verwünscht (IV, 1—3). Allein es ist auch ein tröstlicher Gedanke unverkennbar. Er ist in der festen Ueberzeugung gelegen, dass, wenn alles einem Wechsel unterworfen ist, dann gewiss auch, einmal das Strafgericht Gottes eingreifen und den Ungerechtigkeiten ein Ende machen wird. ״Ueber alle Handlungen wird dort verhandelt“ (HI, 17). Hier bricht der den Pessimismus besiegende Glaube an das Jenseits mit elementarer Gewalt durch. Und doch ist es ergreifend, zu beobachten, wie die beiden Seelen Koheieths mit einander ringen. Indem er die stumme Frage seiner Seele, warum dieses Strafgericht Gottes denn nicht früher eintrifft, uns erraten lässt, fährt er fort, als ob ihn dieses Zugeständnis gereute : offenbar geschieht dies deshalb, weil Gott die Menschen prüfen will, weil er ihnen zu zeigen wünscht, dass sie dem Tier gleich sind, ein Gedanke, der sich uns aufdrängen muss, wenn wir den gleichen physischen Tod von Mensch und Tier betrachten, ohne Gewissheit zu haben, ob der Geist des Menschen nach oben steigt, die Tierseele aber nach unten1) (HI, 18—21). *) Dass die Massoreten in העלה und in הירדת die Punktation des Artikels und nicht die des Fragewortes gewählt haben, ist sicher eine Art הקון סופרים. Wäre העלה und הירדת Attribut zu הרוה, so wäre das zweifache היא sprachlich nicht zu rechtfertigen.

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