Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 417)
- Language
- German
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299 Beziehung sind sie wertlos; sie vermehren nicht die Zufriedenheit und die Glückesempfindung. Das Resultat ist darum Verzweiflung und Lehenshass; denn nicht einmal das Geniessen ist in des Menschen Belieben gestellt. Die Fähigkeit des Geniessens ist von Gott abhängig. Dem guten Menschen ist sie verliehen, während der Sünder nur häuft und sammelt, ohne zu geniessen (II, 24—26). Für den Besitz als solchen als ein Mittel der Freude und des Glückes hat Koheleth gar kein Verständnis. Geiz und Habsucht finden rücksichtslose Verurteilung (V, 19 bis Ende). Ausserdem erkennt Koheleth als unedle Quelle allen Strebens und aller Erfolge der Menschen den Neid, die Konkurrenzsucht (IV, 4). Unerbittlich verdammt er darum das Leben (IV, 4), Koheleth hasst das Leben. Die Toten sind vor den Lebenden glücklich zu preisen, noch mehr aber die, die noch gar nicht geboren sind. (IV, 2). Zu dieser Verzweiflung und diesem Lebenshass tragen übrigens noch weitere Beobachtungen bei. In der Welt herrscht, das haben wir gesehen, ein unaufhörlicher Wechsel ohne jedes Ziel. Den gleichen Wechsel beobachten wir auch im Menschenleben, ohne dass daraus irgend welche Befriedigung entspringt. Leben und Tod, Pflanzen und Ausreissen, Lachen und Weinen, Hass und Liebe lösen einander ab. Auch sie beruhen auf einem Gesetze Gottes (III, 1—10). Gewiss anerkennt Koheleth, dass Gott die Welt schön geschaffen hat; auch hat Gott in das Herz des Menschen den Drang gepflanzt, die Ewigkeit anzustreben. Aber auch das trägt nur zur Ermüdung bei; denn der Mensch ,kann die Gedanken Gottes nicht von Anfang bis zu Ende erfassen (III, 9 und 10). Der Mensch kann auch nicht das Geringste daran ändern. Der Wechsel ist ewig. Gott allein kennt das in ihm sich kund tuende Gesetz (III, 14, 15); der Mensch kann es nicht erkennen und darum bleibt die Befriedigung mit dem Leben und der Welt für den Menschen aus. Wenn wir vorhin hörten, dass Koheleth erklärt, er hasse das Leben, so ist dieser Hass bei ihm keinesfalls wirksam, er zeitigt keine tatsächlichen pessimistischen Konsequenzen; er ist, wenn wir so sagen dürfen, rein theoretisch oder nur die vorübergehende finstere Augenblicksstimmung einer übergewaltigen